Mittwoch, 9. September 2004
Sehr geehrte Damen, sehr geehrter Herr (E-Mail:
wabungo2003@yahoo.de)
[Anmerkung der Mythen-Post: Die Mitteilung blieb Entwurf und
wurde nicht abgeschickt.]
Sie haben sehr interessante psychologisch Gedanken gemacht. Sie
dürfen aber das Somatische nicht vergessen! Bei einem
Neurodermitiker, MCSler ist es nicht nur eine Frage der Psychologie,
sondern des Immunsystems!
Der Psychologe sieht alles nur aus der Optik des Psychologen, der
Dermatologie nur aus jener der Dermatologie, der Allergologie aus dem
Blickwinkel der Allergologie usw. Dadurch wird jeweils nur ein Teil
des Problems Erkannt!
Kürzlich war aus den Medien zu entnehmen, dass 5% der
Gesamtbevölkerung in psychotherapeutischer Behandlung seien.
Depressionen werden heutzutage mit Psychopharmaka (mit
Nebenwirkungen!) weggefegt. Ursachen interessieren nicht, weil sie
Konfrontation mit den Verursachern resp. gesellschaftlichen
Verhältnissen bedeuten würde. Die Gewinne der
Pharmaindustrie sind wichtiger. Hinzu kommt, dass für die
meisten Betroffenen wie die Ärzte der Griff ins
Medikamentenregal bequemer ist. Löst man aber so Probleme?
Dermatologie: Allergien, Neurodermitis etc. haben in den vergangenen
Jahren zugenommen. Was macht die Dermatologie in der Praxis dagegen?
Nichts! Man ist voll auf Symptombekämpfung ausgelegt. Es werden
heutzutage zehntausende für die Haut und das Immunsystem
völlig falsch ausgelegte Wasch-, Putz- und Hygieneprodukte
produziert. Das trifft im Speziellen auch auf
Körperpflegeprodukte zu. Das interessiert dann weder die
Dermatologie noch Allergologie. Im Gegenteil: Zusammen mit Novartis,
Spririg und Konsorten freut man sich über den Umsatzanstieg von
Antihistaminika, Antibiotika etc.
Es geht heute gar nicht darum, Krankheiten zu vermeiden, sondern
an ihnen Geld zu verdienen!
Je mehr Menschen an Lungenkrankheiten wegen Fein- und
Feinstpartikeln erkranken, umso mehr Patienten für die
Lungenärzte. Wo aber bitte sind die Lungenärzte, die sich
gegen Dieselruss, KMF-Partikel, Schadstoffausstoss von Holzfeuerungen
etc. wehren?
Oder Krebs: Das Anrecht auf Tabak (kein Witz!) hat in unserem Staat
sowohl der Inhaftierte wie der Sozialhilfeempfänger, d.h. die
Kosten für sinnlose Luftverpestung und
Gesundheitsschädigung übernimmt der Staat! Derselbe Staat
gibt - trotz angeblich leeren Kassen - auch noch Millionen für
den einheimischen Tabakanbau aus. Was machen der systemtreue Arzt und
die Pharmaindustrie? Sie fordern mehr medikamentöse Mittel zur
Therapie von Krebs!
Haben Sie das Gefühl, mit diesem System käme man
ansatzweise irgendwo hin?
Interessant nun das Verhalten bei MCS: Weil bei MCSlern im Gegensatz
zu Allergikern in der Regel kein IgE im Blut festgestellt werden
kann, wird von Medizinern die Erkrankung als "Pseudoallergie"
bezeichnet und dann die Erkrankung von Psychiatern gedeutet. Das ist
unwissenschaftlich und unfair gegenüber allen Betroffenen. Kein
Herzpatient würde sich ein Herzerkrankung vom Psychiater als
"gebrochenes Herzen" attestieren lassen!
Ich glaube, wir haben ein grundlegendes Problem in der Medizin in der
Ursachenerforschung. Weil diese kein Geld einbringt, sondern
Konfrontation mit den Verursachern, beschränkt sich die heutige
Forschung praktisch ausschliesslich auf Symptombekämpfung, denn
nur die bringt Geld ein!
Sogar bei der in unserem Land praktisch noch nicht vorhandenen aber
in Deutschland verbreiteten Umweltmedizin, geht man den Weg der
Anpassung. Zwar sieht man schon, woher (teilweise) die
Krankheitsursachen kommen. Doch statt daran etwas zu ändern und
weitere Ursachenerforschung zu betreiben, landet man selber - aus
Kostenüberlegungen (und ebenso aus charakterlichen
Gründen!) - in der "Therapie". Und das ist dann vom effektiven
Nutzen her für den Menschen nicht viel mehr wert als eine
Dermatologische/Allergologische Uniklinik Zürich, Bern oder
Basel.
Ähnliche rückgratlose Charakterstrukturen wie in der
Medizin findet man übrigens auch bei den Medien. Anpassung ist
wichtiger als ungeschminkt die Wahrheit zu schreiben.
Stellt sich die Frage: anpassen und ducken, damit man wirtschaftlich
erfolgreich ist und einen gesellschaftlich hohen Status erreicht oder
die Wahrheit sagen und schreiben, vom System verfolgt werden und auf
dem Existenzminimum leben? Wieviel Verantwortung soll ein Mensch mit
Rückgrat übernehmen, damit er daran nicht zerbricht?
Mit freundlichen Grüssen
Urs Beeler