
|
Wolfgang Amadeus Mozart wurde lediglich 35 Jahre alt. |
(um/vo) Mozarts Melodien, von jung auf immer wieder gehört, haben sich unserem inneren Ohr als Teil unseres privaten Musikschatzes eingeprägt. Wie oft ist einem nicht schon in glücklichen Augenblicken ein Thema aus der Kleinen Nachtmusik oder dem Türkischen Marsch in den Sinn und auf die Lippen gekommen.
626 Werke
In seinem kurzen Leben hat Wolfgang Amadeus Mozart, geboren 1756,
gestorben 1791, 626 Werke geschaffen - eine unfassliche Leistung. Er
schrieb Lieder, Tänze und Sonaten, Kirchenmusik und Konzerte,
etwa 50 Sinfonien und 20 Opern und Singspiele, darunter Kostbarkeiten
wie "Die Hochzeit des Figaro", "Don Giovanni" und "Die
Zauberflöte". Aus den meisten seiner unzähligen Melodien
spricht eine Lebensfreude, die ihm über viele
Enttäuschungen hinweghalf und ihn erst in den letzten Jahren
verliess.
Der Genius Mozart war rastlos tätig. Ein berühmtes
Stück soll er auf einer Kegelbahn geschrieben haben, ein anderes
am Billardtisch. Auf Reisen komponierte er sogar in der schaukelnden
Reisekutsche. In Mailand arbeitete er in einer Wohnung, die er in
einem Brief so beschrieb: "Über uns ist ein Violinist, unter uns
auch, neben uns ein Singmeister, der Lektionen gibt, in dem letzten
Zimmer uns gegenüber ist ein Oboist. Das ist lustig zum
Komponieren! Gibt einem viel Gedanken." [Anmerkung der
Mythen-Post: Für Urs Beeler wäre dies das
Grauen!!!]
Der Kinderstar
Musik lag ihm im Blut. Der Vater, Leopold Mozart, war Mitglied
der Salzburger Hofkapelle. Wenn Mozarts ältere Schwester Maria
Anna, das "Nannerl", beim Papa Musikstunde hatte, lauschte der kleine
Wolfgang aufmerksam und probierte mit den winzigen Händchen
Dreiklänge auf dem Cembalo. Mit fünf Jahren spielte er
bereits längere Stücke makellos und improvisierte kurze
Kompositionen. Der beeindruckte Vater beschloss, sich ganz der
Entwicklung dieser genialen Begabung zu widmen. [Anmerkung der
Mythen-Post: Einzelförderung bringt mehr als die heute
praktizierte "Kollektivschulung".]
1762 reiste er mit Wolfgang und Nannerl nach Wien, in die
glanzvolle Metropole des grossen Habsburgerreiches, wo die
Geschwister vor Kaiser Franz I. auftraten. Es folgte eine
dreieinhalbjährige Kunstreise, die Wolfgang zum gefeiertsten
Kind in Europa machte. "Das grösste Wunderkind, dessen sich
Europa, wenn nicht die Menschheit rühmen kann", so hiess es
im Londoner Public Advertiser, "ist unwidersprochen der kleine
österreichische Knabe Wolfgang Amadeus Mozart."
Trotz seiner Erfolge blieb Wolfgang in vielem ein ganz normales
Kind. Sein zartes Gesicht, so tiefernst, wenn er spielte, strahlte
vor kindlichem Vergnügen, wenn er seine Spässe trieb, und
in den grossen haselnussbraunen Augen sass der Schalk. Sehr oft,
berichtet ein britischer Beobachter, sei das Wunderkind "mit einem
Stock zwischen den Beinen wie auf einem Pferd durch den Raum
gehopst".
Auf Reisen
Als Vater und Sohn nach Italien kamen, war ihnen der Ruhm des
jungen Genies schon ins Land der Musik und der Musiker vorausgeeilt.
Eine Stadt nach der anderen legte ihm ihre Bewunderung zu
Füssen. In Bologna wurde Wolfgang als Mitglied in die
altberühmte Accademia filarmonica aufgenommen, obwohl er das
vorgeschriebene Mindestalter von 20 Jahren noch längst nicht
erreicht hatte. In Rom verlieh ihm Papst Clemens XIV. den Orden vom
goldenen Sporn. In Mailand fand die Uraufführung des Mitridate
statt, Mozarts erster bedeutender Oper, die er so zügig
komponiert hatte, dass ihn die Finger schmerzten. Sie wurde über
20mal bei vollen Häusern wiederholt.
In jenen Tagen strebten verheissungsvolle junge Künstler
meistens eine Anstellung an einem europäischen Fürstenhof
an. In Salzburg war Mozart seit seinem 13. Lebensjahr Konzertmeister;
mit 16 Jahren wurde er vom Nachfolger des alten Erzbischofs in diesem
Amt bestätigt und bekam nun auch ein Gehalt. Aber Salzburg mit
seinen 16'000 Einwohnern war ein halb ländliches,
rückständiges Nest, wo diamantenbesetze Taschenuhren und
Beifall leichter zu erlangen waren als eine gute Stellung. Deshalb
begab sich Mozart 1777 nach Mannheim, dem Sitz der berühmten
Mannheimer Kapelle, trat bei Hofe auf und küsste dem
Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz die Hand. "Er spielt
unvergleichlich", meinte der hohe Herr und liess ihm eine Uhr
überreichen (Mozarts fünfte). Einen Posten gab er ihm
nicht.
Junge Liebe
In Mannheim lernte Wolfgang die Familie Weber kennen - den
Hofmusiker Fridolin Weber, seine Frau Maria Cäcilia und die
kunstbeflissenen Töchter des Hauses. Mozart verliebte sich in
die 15jährige Aloysia Weber. Als Vater Leopold das herausbekam,
war er entsetzt und befahl seinem Sprössling in einem langen,
väterlich-strengen Brief: "Fort mit Dir nach Paris!... Von
Paris aus geht der Ruhm und Name eines Mannes von grossem Talent
durch die ganze Welt..." Der 22jährige Liebhaber gehorchte
und fuhr in die französische Hauptstadt. Aber mit Ruhm und Namen
war es dort nichts, und so kehrte er nach Salzburg und in die bittere
erzbischöfliche Fron zurück.
Heute ist Salzburg die Mozartstadt. Die dortige Musikakademie heisst
Mozarteum. Jährlich eine Mozart-Woche und zum grossen Teil auch
die Festspiele werden mit Mozart-Werken bestritten. Durch Mozarts
Geburtshaus, heute Museum, schiebt sich tagtäglich der
Touristenstrom. Auf dem Mozartplatz steht ein Mozart-Denkmal. Dabei
hat Mozart Salzburg im Grunde gehasst.
Weg von Salzburg
Verleidet hatte es ihm die Intoleranz seines Dienstherren, des
Erzbischofs Hieronymus Graf Colloredo, der Mozart als Lakaien
behandelte. Bei den Mahlzeiten sass der junge Mann bei den
Kammerdienern und Köchen. Neun Jahre fand er sich damit ab, aber
als Colloredo ihm 1781 in Wien verbot, selbständig Konzerte zu
geben, überreichte er dem Oberstküchenmeister Graf Arco
sein Entlassungsgesuch. Nach langen, heftigen Debatten warf ihn der
Graf schliesslich mit einem Fusstritt hinaus. Dieser unsanfte
Abschied machte Mozart zu einem freien Mann - und zum Wiener.
Für Mozart war das musikvernarrte Wien "ein herrlicher Ort und
für mein Metier der beste Ort von der Welt". Wie es der Zufall
wollte, lebte dort die verwitwete Mutter Weber mit dreien ihrer
Töchter. Aloysia hatte inzwischen einen Schauspieler zum Mann,
aber ihre Schwester Konstanze war noch frei. Mozart heiratete sie
1782 und war ihr bis zu seinem Tod ein fürsorglicher Gatte. Von
ihren sechs Kindern überlebten nur zwei Söhne.
Grosserfolg in Wien
In Wien wurde der Neuankömmling rasch zur Attraktion. Mozart
liess sich seine Musikstunden teuer bezahlen; seine öffentlichen
Konzerte, in denen er seine neusten Kompositionen vortrug, fanden
grossen Anklang. Statt des traditionellen Cembalos spielte er nun das
neu aufkommende Klavier mit seinem lieblicheren Klang. Er spielte -
und das Publikum lohnte es ihm mit donnerndem Applaus und nicht enden
wollenden Bravorufen.
Mit der Uraufführung seines Singspiels Die Entführung aus
dem Serail 1782 in Anwesenheit des Kaisers erwies sich Mozart als
Meister der Oper. In den folgenden vier Jahren las er über 100
Libretti, bis er den geeigneten Stoff für eine grosse
italienische Opfer fand - Beaumarchais' Revolutionsdrama Le Mariage
de Figaro. Lorenzo da Ponte schrieb ihm danach den Text zur komischen
Oper "Die Hochzeit des Figaro". Mozarts rassige Melodien, ein
Feuerwerk der Einfälle von Anfang bis Ende, untermalen mit
leuchtenden Farben die "subversive" Botschaft, dass alle Menschen
gleich geboren sind. Im damals von Wien beherrschten Prag wurde der
Figaro mit beispielloser Begeisterung aufgenommen.
Mozart war in seinem Element. Als neues Auftragswerk für Prag
schuf er gemeinsam mit da Ponte eine mitreissende Version der alten
Geschichte vom Supermann Don Giovanni, der nach einem wüsten,
unmoralischen Leben seine Strafe bekommt. Mozart vollendete
grössere Teile der Oper in Prag und schrieb dort in der Nacht
vor der Premiere die Ouvertüre nieder. Don Giovanni wurde ein
gewaltiger Erfolg und gilt heute als eine der bedeutendsten Opern der
Musikgeschichte.
Gegen Ende seines Lebens ging so ziemlich alles schief. Zwar gelangen
ihm noch während der Arbeit an der monumentalen
Giovanni-Partitur zwei bewundernswerte Streichquartette und die
"Kleine Nachtmusik". Aber die Bravorufe waren verstummt. Nach Ansicht
mancher Experten sind seine drei letzten Sinfonien, darunter die
majestätische Jupiter-Sinfonie, zu seinen Lebzeiten kein
einziges Mal öffentlich gespielt worden. "Der Figaro", so
erfolgreich er im übrigen Europa war, wurde in Wien nach der
neunten Aufführung abgesetzt. "Don Giovanni" in Prag und
anderswo bejubelt, fand in Wien wenig Gegenliebe.
Merkwürdigerweise hatte ausgerechnet Graf Arco, der Mozart so
ruppig gekommen war, den Fortstrebenden vor dem Wankelmut der Wiener
gewarnt. Nun konnte sich selbst der optimistische Mozart nicht mehr
verhehlen, dass ihm das Publikum die Gefolgschaft
versagte.
Krankheit und Tod
Die Mozarts zogen in eine billigere Wohnung. Es sind 21
verzweifelte Bittbriefe des Meisters an den reichen Michael Puchberg
überliefert, der ihm auch bereitwillig mit erheblichen Darlehen
unter die Arme griff. Dennoch drohte der vierköpfigen Familie
bald die nackte Armut.
Im Juli 1791 bestellte ein geheimnisvoller "grauer Unbekannter" bei
Mozart gegen Vorausbezahlung ein Requiem (die Totenmesse der
katholischen Liturgie). Mit vielen Unterbrechungen arbeitete Mozart
an dem Werk. Aber ihm fehlte die frühere Spannkraft. Er war
blass und schwach, hatte Fieber und Ohnmachtsanfälle.
Gelenkschwellungen quälten ihn. Er schreibe seine eigene
Totenmesse, sagte er zu Konstanze. Eine teilweise Lähmung
hinderte ihn, das Requiem zu vollenden.
Mozart litt an einem wiederaufgetretenen rheumatischen Fieber, das
ihm schon als Kind zugesetzt hatte. In einer Studie seiner letzten
Leiden gelangt der Schweizer Arzt Dr. Carl Bär zu dem Schluss,
dass die vielen Reisen im zarten Kindesalter den Boden für das
Leiden bereitet haben müssen. Am 5. Dezember 1791 starb Mozart.
Er bekam ein Begräbnis dritter Klasse und wurde auf dem Sankt
Marxer Friedhof zusammen mit mehreren anderen Verstorbenen beigesetzt
- in einem nicht bezeichneten Reihengrab.
E-Mail an: Mythen-Post