Donnerstag, 29. Juli 2004
Heute war ich bei den BSS Architekten,
Hirschistrasse 15, Schwyz eingeladen. Das Büro befindet sich an
ruhiger Lage. Negativ aufgefallen ist mir vor Betreten die
Farbabstimmung des Gebäudeäusseren, die nicht harmonisch
ist. Diese Disharmonie setzt sich im Innenraum konsequent fort. Kalt
- unwohnlich. Schade um das alte Schwyzer Kino, das dort in diesem
Gebäude einmal beheimatet war.
Neben der Raumgestaltung, die nicht stimmt, stimmt auch
(wörtlich) die Atmosphäre in den Räumen nicht. Es
riecht nach einem undefinierbaren Parfümcocktail. Die
unharmonische Architektur und der penetrante Geruch stimmen (negativ)
überein.
Die Empfangsdame führt mich in ein kleines Empfangszimmer. Auf
dem Fenstersims dieses Zimmers liegt demonstrativ ein Stück
Flumroc-Steinwolle! "Au weia," denk ich mir, das fängt ja
schon toll an...!"
Architekt Alfred Suter, der zwischenzeitlich von seinem Büro ins
Parterre gekommen ist, überspielt die peinliche Situation und
verlegt die Sitzung ins grosse Sitzungszimmer ohne
Flumroc-Steinwolle.
Dort stösst kurz darauf sein Partner, Architekt Karl
Schönbächler (vormals CVP-Gemeinderat und Gemeinde Schwyz
"Insider") dazu. Ich habe Pläne der Alten Brauerei dabei und er
geht fleissig daran, auf Pauspapier die Grundrisse
nachzuzeichnen.
"Bin gespannt, was da herauskommt...", denke ich mir.
[Anmerkung der Mythen-Post: Beeler ist in solchen Situationen
psychologisch auch immer sehr experimentierfreudig.]
Schönbächler denkt, im Keller die Autos unterzubringen
- und zwar links und rechts nach dem Eingang! Das funktioniert in der
Praxis nie und nimmer! Weder von den Massen her noch von der Statik!
(siehe Pläne) Weiss der Mann, wovon er redet?
Aus den hinteren Gewölbekellern sollten separate Kellerabteile
für die Wohnungen entstehen. Alfred Suter pflichtet ihm bei.
"Phantasielosigkeit und kein Gespür für den Charakter
des Hauses. Flumroc- und Spanplatten-Architekten", stelle ich
fest. Zumindest wird noch festgestellt, die Alte Brauerei sei damals
voll - wie eine Maschine - für ihren Bestimmungszweck konzipiert
worden. Aber die beiden BSSler tuen sich mit dem Oldtimer schwer. Sie
begreifen nicht, um was es geht. [Anmerkung der Mythen-Post:
Beeler sieht die Alte Brauerei als ein architektonisches Kunstwerk
an, wo echte Künstler - Fachleute - mit Freude und Begeisterung
an die Arbeit gehen müssten. Streng baubiologisch und mit
Materialien, wie man sie früher verwendete. Restaurierung =
Instandstellung im Stil von 1870 resp. 1910, 1930, 1960.]
Schade um den halben Nachmittag, den ich bei BSS verbringe. Ich
bin total am falschen Ort.
Schönbächler stellt theoretische Berechnungen an, nach
denen die Liegenschaft einen Wert von Fr. 950'000.-- bis 1'000'000.--
haben soll. Und er versucht mir diese Zahlen einzubleuen.
"Schlitzohr", denke ich mir. 2/3 des Gebäudes seien
Gewerbe und nur 1/3 Wohnteil versucht er mir glaubhaft zu machen.
Dies drücke den Kaufpreis.
Wie er sich den Schatzungspreis von Fr. 1,602 erkläre, frage ich
Schönbächler. Werner Betschart (damals verantwortlicher
Schätzer bei der Kantonalen Schatzungskommission) sei ein "guter
Schätzer" meint Schönbächler (da bin ich anderer
Ansicht!). Wie er sich dann die Differenz von Fr. 600'000.--
erkläre, frage ich nach. Der Preis von Fr. 1,602 Mio. sei durch
das Schwyzer Verwaltungsgericht sogar bestätigt
worden.
Wie errechnet sich ein Preis?
Normalerweise könnten Liegenschaften von Kindern zu einem
tieferen Preis übernommen werden. (So hätte die
Liegenschaft sogar noch mehr wert!) Ist nun der damalige
Schätzer der Kant. Schatzungskommission Werner Betschart eine
fachliche Niete und schlecht gesinnt, dass er den Liegenschaftspreis
um Fr. 600'000.-- zu hoch bemessen hat (mit Bestätigung des
Schwyzer Verwaltungsgerichtes!?)? Oder ist Schönbächler ein
Bandit, indem er Fr. 600'000.-- unter dem offiziellen Schatzungspreis
gerechnet hat? Es geht nicht weniger als um mehrere hunderttausende
von Franken! [Anmerkung der Mythen-Post: Und Beelers
Existenz!]
"Selbst wenn ich Millionen zur Verfügung hätte,
würde ich den BSSlern hundertprozentig nie einen Auftrag
erteilen", ist die Quintessenz nach über 2 Stunden - und die
Fronten sind klar. Schönbächler vertritt Architektur, die
ich in den Neunzigerjahren hart bekämpft habe und weiter
bekämpfen werden. Von meinen Idealen und Vorstellungen
(Baubiologie, gesundes Bauen, Ästhetik, echte Kunst und echtes
Handwerk) hat der Mann keine Ahnung. Dafür meint er zu wissen,
was rentiert...
Sein Erfolgsnachweis: BSS Architekten beschäftigen heute 25
Angestellte. Kann man aber stolz sein auf ein AHV-Gebäude im
Rubiswil sein, das aussieht wie ein Gefängnis? Oder ist der neue
im Auftrag von Coop errichtete Steinwolle-Sarkophag im Steinbislin in
Seewen etwas "Gefreutes"? Das Firmenleitbild der BSS Architekten
"Ökonomie" und "Ökologie" entspricht Werbesprüchen der
Firma Flumroc. Offenbar braucht es solche Verlautbarungen, um
heutzutage "Erfolg" zu haben. Und offenbar gibt es auch Leute, die
solchen Sprüchen glauben, sonst wäre der wirtschaftliche
Erfolg von BSS nicht möglich.
Kaufmännisch mag die Rechnung eines Karl
Schönbächlers aufgehen...
...aber emotional? Was bringt Geld ohne echte Freude,
Unabhängigkeit und Freiheit? Was nützen 25 Angestellte? Was
nützt Wirtschaftlichkeitsdenken, wenn zum Schluss nichts
Gefreutes herausschaut?
Jedenfalls ist nach 2 Stunden eines klar (es war es schon zuvor!):
Niemals würde ich die schöne Alte Brauerei BSS Architekten
o.ä. Typen anvertrauen. Die würden daraus einen eiskalten
Horrorbau machen - mit Steinwolle, Spanplatten und allem Bösen,
was heutzutage im Bau verwendet wird. Die würden der Brauerei
noch den letzten Todesstoss versetzen! (Wobei hier gesagt werden
muss, dass dies wohl über 95% der Architekten ähnlich
machen würden. Man baut Häuser aus Sondermüll und so
entstehen Sondermüll-Häuser. Schlimm! Aber das bringt
heutzutage offenbar im Bau "Erfolg")
Dass die Alte Brauerei kein Normbau ist, macht doch den Reiz
aus.
Was würde einer tun, wenn er rein
kaufmännisch denkt? Er würde die Alte Brauerei
abreissen und z.B. 8 Eigentumswohnungen à 275 m2
errichten. Eine theoretische Rechnung: 2 Whg. unten (= 2 x Fr.
600'000.-- = Fr. 1'200'000.--), 4 mittlere (= 4 x Fr. 700'000.-- =
Fr. 2'800'000.--) plus 2 Attika (= 2 x Fr. 1'000'000.-- = Fr.
2'000'000.--) Fr. 6'000'000.-- total. Errichtungskosten: Fr.
3'150'000.-- + Abrisskosten Fr. 250'000.-- + IST-Zustand Fr.
1'600'000.--. Gewinn: Fr. 1'000'000.-- (brutto).
Ich habe mich am 29.7.04 bei der Schwyzer Kantonalbank erkundigt, ob
sie ein solches Projekt finanzieren würde. Nein, man wolle
nicht, war die Antwort - obwohl ich ein Top-Grundstück bereits
mitbringe! Wäre der Name "BSS Architekten", würde ein
Steinwolle-Sondermüll-Bau mit Sicherheit finanziert. Oder
wäre der Name "Freitag" und würde der Bau mit
Glaswolle-Sondermüll isoliert, würde der Bau finanziert.
Dann gescheiter nichts Bauen als etwas Falsches!
Umbau/Erweiterung Drei Königen
Bei BSS Architekten war auch ein Modell des Neubaus, der an die
Stelle des weissen Hauses Gwerder und des kleinen Hauses "Mutter
Fässler" neben dem Hotel "Drei Königen" hinkommen sollen.
Das geplante Objekt ist eine Art "zweites Bruhin-Haus", das jeden
Quadratzentimeter voll ausschöpft. Nicht Ästhetik steht im
Vordergrund, sondern Profit. Der hintere Teil dieses neuen
"Fässler-Hauses" sieht auf dem Modell so aus, dass es den
unteren rechten Hausteil (sog. Tante Berti Teil) der Alten Brauerei
in der Mitte spaltet! Der Bauabstand ist auf den Mindestabstand
beschränkt. Auffallend ist, dass der geplante Neubau nicht
symmetrisch zu den "Drei Königen" zu stehen kommen soll, sondern
schräg. Es stellt sich die Frage der Harmonie. In ca. drei
Wochen soll - nach Auskunft von Architekt Karl Schönbächler
- die Baueingabe erfolgen. Was jetzt schon mit grosser Sicherheit
feststeht, dass das Dach des neuen Objektes mit Glaswolle- oder
Steinwolle-Sondermüll isoliert wird. Dies allein ist ein Indiz
für die Mentalität, die dahinter steht. Und ein Giebeldach
gibt's deshalb, weil man damit höher bauen kann als die sonst
festgelegten 13 m (Auskunft von Alfred Suter).
Was bedeutet der geplante Bau für die Alte
Brauerei?
Eine starke Minderung der Südaussicht, wesentlich weniger
Licht im Südteil, Enge, Disharmonie. Anders sieht dies Architekt
Karl Schönbächler. Seiner Meinung nach würde "der Wert
der Umgebung durch einen solchen Neubau erhöht". Weiter darf man
gespannt sein, was BSS Architekten mit den "Drei Königen"
anstellen.
Was soll mit der Alten Brauerei
passieren?
Vorschlag: Aktuell ist es wohl besser, im IST-Zustand das Maximum via
Vermietung herauszuholen. Vielleicht eine sanfte Renovation. Mit
einer möglichst hohen Amortisation für eine geringe
Belastung sorgen. Erst dann eine (sanfte) Umnutzung vornehmen.
Baubiologisch - mit Wissen und Gewissen sowie den richtigen Leute.
Renoviert für die richtigen Leute! [Anmerkung der
Mythen-Post: Eine Person auf 100'000!]
Randnotizen: Was hat der Besuch vom 29.7.04 bei
den BSS Architekten gebracht?
Einige Lehren daraus:
1. Aus negativen Erfahrungen etwas Positives lernen.
2. Bau auf Deine natürlichen Instinkte. Wo's unappetitlich nach
Parfüm stinkt, ist's mit der Ehrlichkeit nicht weit her.
3. Wer plant und baut kalt, kann kein guter Mensch sein.
4. Trau keinem Architekten, der in seinem Büro Flumroc-Muster
ausstellt, mit Mineralwolle oder Polystyrol isoliert.
5. Sei auf der Hut, wenn Dir ein Architekt ein Angebot 40% unter dem
kant. Schatzungspreis macht.
6. Lasse Dich niemals mit der (Schwyzer) Baumafia ein!
7. Besser arm, aber ehrlich, freiheitlich, unabhängig und gerade
als reich, verlogen und falsch.