(vo) Wer glaubt, Schwyz sei
noch so etwas wie die Urstätte der Demokratie und Freiheit der
Schweiz, täuscht sich. Der gute alte
Wilhelm Tell würde sich vermutlich im Grabe umdrehen, wenn er
sehen würde, was heutzutage für
Hösis die Wiege der Eidgenossenschaft bevölkern.
Von der Bundesverfassung garantierte Meinungs-
und Pressefreiheit in Art. 16 der neuen Bundesverfassung:
"Die Meinungs- und Informationsfreiheit ist
gewährleistet. Jede Person hat das Recht, ihre
Meinung frei zu bilden und sie
ungehindert zu äussern und zu verbreiten."
In Art. 17 heisst es: "Die Freiheit
von Presse, Radio und Fernsehen sowie anderer
Formen der öffentlichen fernmeldetechnischen
Verbreitung von Darbietungen und Informationen
ist gewährleistet. Zensur ist verboten."
Die Praxis sieht etwas anders aus. Im
Oktober 1996 brachte die Mythen-Post einen Beitrag von Erwin
Kessler "Grauenhafte Schwyzer Schweinefabriken
- und die Behörden tun nichts". Später unternahm die
Mythen-Post eigene Recherchen und fotografierte
selber Schweineställe. Im Oktober 1997 erschien
ein neuer Beitrag über die Schwyzer
Schweinefabriken. Diesmal waren die Reaktionen so heftig,
das die Schwyzer Bauernvereinigung zum
Inserate-Boykott gegen die Mythen-Post aufrief.
"Schweiz Aktuell", "Der Beobachter" und der "K-Tipp"
berichteten kritisch darüber. Was dann
geschah, hätte ich niemals für möglich
gehalten: Obwohl die Mythen-Post mit ihren
tierschutzpolitischen Forderungen hundertprozentig im
Recht war und bis heute nicht widerlegt werden
konnte, wandten sich viele Gewerbetreibende aus Angst ab.
Druck statt Fakten
Markus Ambühl, damals Inhaber der Termoservice AG, Cham,
erklärte in einem Gespräch, er sei
mit der Mythen-Post immer gut gefahren und würde weiter
inserieren, vorausgesetzt, dass Erwin Kessler
in unserem Heft keine Artikel mehr publiziere. Ich sagte zu
Herrn Ambühl, dass ich eine solche Zensur
nicht billigen könne: "Ich gebe Ihnen aber gerne
die Möglichkeit, im
redaktionellen Teil einen Artikel 'gegen Kessler' zu schreiben und
ihn zu 'widerlegen'." An
dieser Stelle angelangt, wollte Markus Ambühl nicht weiter
diskutieren. Immer wieder machte ich die
Erfahrung: Wenn's um Fakten geht, wird's bei den Kessler- und
Beeler-Gegnern ruhig.
Wenn Profit mehr zählt als Ethik
Josef Gasser, Elektrounternehmung, Ibach, wurde von
Mästern (Kunden) und rückständigen
Gewerblern aus Steinen unter Druck gesetzt, sodass er den
Inserate-Vertrag mit der Mythen-Post vorzeitig
auflöste. "Wenn Du bei Beeler wieder inserierst,
bist Du unsere Aufträge
los", wurde dem Inhaber einer Ibächler Küchenbaufirma
gedroht. Bauern gingen bei einem
Berufsbekleidungsgeschäft in Seewen vorbei und drohten: "Wenn
Du auch in Zukunft in der
Mythen-Post inserierst, kaufen wir bei Dir nichts mehr."
Ein Garagier aus Steinerberg wollte nicht
länger in unserem Heft inserieren, weil er glaubte, dass der
benachbarte Schweinemäster sonst sein
nächstes Auto nicht mehr bei ihm kaufen könnte
Im Januar '98 suchten Bauern und Mäster
weiter langjährige Inserenten der Mythen-Post auf und drohten,
"nichts mehr zu kaufen", wenn in Zukunft in
unserem Heft inseriert werde. Einem Textilfachgeschäft an
der Schulgasse in Schwyz ("viele Bauern als
Kunden") war es daraufhin "zu heiss". Auf den damaligen
Inhaber eines Herrenmodegeschäfts an der
Herrengasse in Schwyz wurde ebenfalls Druck ausgeübt.
SVP-Nationalrat Scherer aus dem Kanton Zug, der in
Hünenberg eine grosse Schweinemästerei
betreibt und im "Blick" angibt, wieviele tausend
Ferkel er schon ohne Narkose kastriert habe,
versuchte per Telefon auf die Mythen-Post Druck
auszuüben. Man müsse sich unbedingt von
diesem Kessler distanzieren. Unvergesslich ebenso
Gregor Annens (Schreinerei Ulrich & Annen,
Steinen) Spruch "Schweinemäster dürfen
nicht so direkt kritisiert werden". Eine Auffassung, die
vielleicht noch von Gleichgesinnten am Stammtisch
geteilt wird, jedoch kaum von kritischen
Konsumenten. Dass Gregor Annen so argumentiert,
verwundert nicht, denn Onkel Franz Annen
betreibt im Frauholz, Steinen, eine
Mästerei.
Unglaublich: Sogar die Schwyzer Kantonalbank
ist am Inserate-Boykott beteiligt! Jahrelang
inserierte die Schwyzer Kantonalbank in der
Mythen-Post. Als sich unser Heft vermehrt
Tierschutz-Anliegen im Kanton Schwyz annahm,
reduzierten sich plötzlich die SKB-Aufträge - bis
zum Total-Boykott. Was steckt dahinter?
Werner Schibig, Marketing-Chef der Schwyzer
Kantonalbank, ist der Schwager von
Viehhändler und Schweinemäster Josef
Ott-Schibig, Küssnacht,
Brüschhalde. Zu den Kunden der SKB gehören auch
Schweinemäster und die Bank könne
nicht in einer Zeitschrift inserieren, "die sich einseitig für
den Tierschutz engagiert". Schibig vergleicht
in einem Gespräch die Schweineintensivmast mit einem "Tunnel".
Die Menschen würden mit Autos ja auch
durch Tunnel fahren. Erstens handelt es sich um einen absurden
Vergleich. Selbst, wenn man auf ihn eingeht,
stimmt er nicht, denn niemand verbringt sein ganzes Leben z.B.
im Gotthardtunnel! Auch dass Schweine
naturgemäss nicht in ihrem eigenen Kot liegen (was aus
der Verhaltensforschung längst bekannt
ist), weiss Schibig nicht. Doch wozu sind auch Argumente und
Rückgrat nötig, wenn man doch als Ausgleich
ein prall gefülltes Werbebudget hat?
Im Gegensatz dazu wird der "Bote der
Urschweiz", der Tierschutzmissstände entweder nicht bringt
oder verharmlost (siehe: Der
Bote der Urschweiz - Sprachrohr der Schwyzer Polit- und
Agromafia), von der
SKB grosszügig mit Inseraten gesponsert. Dieser Fall wird
unter dem Stichwort "Boykott" mit Bildern aus
der Schweinefabrik Ott-Schibig,
Küssnacht, ausführlich geschildert. Wir
sind der Meinung, dass man alles schreiben darf, solange es
der Wahrheit entspricht und der Gerechtigkeit dient.
Auch Klöster dürfen nicht kritisiert
werden
Alois Auf der Maur, Präsident des
Kantonal-Schwyzerischen Gewerbeverbandes, Schwyz,
gibt sich im Umgang diplomatisch, findet aber,
Beeler sei ein "Revoluzzer". Auf der Maur argumentierte, die
Tierhaltung des Klosters Fahr bzw. Einsiedeln
dürfe nicht kritisiert werden, weil es sich um Klöster
handle. Tritt das Tierschutzgesetz bei
Klöstern plötzlich ausser Kraft?
"Keine Beiträge über Pelztiere
bringen"
Weil wir einen Beitrag über die grausame Käfigzucht
von Nerzen brachten, wurden wir von Kunstschlosser
Tobias Jöhl, Brunnen, boykottiert.
Begründung: Er sei mit Kürschner Thomas
Werner, Ibach, befreundet. (Anm.: Vater Joe Jöhl findet
die Mythen-Post gut und wir wiederum schätzen
seit Jahren Herrn Jöhl sen.) Ist man im Talkessel
Schwyz neu auch noch "gewerbefeindlich", wenn man
aufzeigt, wie Nerze im Ausland gehalten
werden?
Finanziell gesehen war das Engagement der Mythen-Post für den
Tierschutz ein Desaster. Ich habe mir jedoch
nie einen Vorwurf gemacht. Denn ethisch war es absolut korrekt - und
vor allem notwendig. Und hätte sich die
Mythen-Post dafür im Raum Schwyz nicht engagiert, hätte es
- ausser dem VgT - niemand getan. Wir werden
uns auch in Zukunft für die Rechte der Tiere
einsetzen - Boykotte hin oder her!
E-Mail an: Mythen-Post