Von Dipl.-Ing. und Architekt Paul
Bossert, Oetwil an der Limmat
Seit die drei vom Bundesamt für Energie herausgegebenen Kataloge
über Energieberechnungen von Bauteilen und
Wärmebrücken für beheizte Gebäude erhältlich
sind, ist die Verwendung des Minergie-Standards in der Schweiz de
facto gesetzliche Pflicht. Das hat Bundesrat Moritz Leuenberger im
Rahmen der Gebäudekampagne 2004 an der "Minergie-Messe" in Bern
bestätigt. Leuenberger will aber nicht wahrhaben, dass es
sich beim Minergie-Standard um den grössten Bau- und
Energieschwindel aller Zeiten handelt. Sein Sekretär
richtete mir vor Jahresfrist aus, dass es undenkbar sei, Bundesrat
Leuenberger auf seine diesbezüglichen Fehleinschätzungen
hinzuweisen. Mit dieser Weigerung aber verletzt Bundesrat Leuenberger
seine Aufsichtspflicht.
Wie entstand der unselige
Minergie-Standard?
Der Minergie-Standard wurde ursprünglich vom Maschinenbauer
Rudolf Kriesi, ehemaliger Abteilungsleiter Energie im Amt für
Abfall, Wasser, Energie und Luft des Kantons Zürich, in die Welt
gesetzt. Dieser Standard basiert hauptsächlich auf der rein
theoretischen Annahme, dass massgebliche Energieeinsparungen im
Wesentlichen nur durch die Verminderung der Wärmeleitung bei der
Gebäudehülle erzielbar sind. Dass dem nicht so sein
kann, ist schon mit einfachen Rechnungen und dem bisherigen
baufachlichen Grundwissen beweisbar.
Aus "Energie 2000" wird "Energie
Schweiz"
Das Bundesamt für Energie hat nun den Minergie-Standard in
das Programm "Energie Schweiz" übernommen, "Energie Schweiz" ist
das Nachfolgeprogramm von "Energie 2000", welches das Schweizer Volk
in den Neunzigerjahren schon über eine halbe Milliarde Franken
gekostet hat.
Die jährlich permanent ansteigenden Energieverbrauchszahlen
beweisen zwar, dass die Energieeffizienz aller eingeführten
Massnahmen nicht zum Erfolg führt, doch BFE-Direktor Walter
Steinmann und sein Vizedirektor Luzius Schmid kümmert das nicht.
Ohne Rücksicht auf Verluste werden Steuergelder in
Millionenhöhe vergeudet, obwohl sie haargenau wissen, dass
für den Minergiestandard keine einzige Vergleichsprüfung
vorhanden ist! Da sich das BFE seit 1975 bis heute weigert,
Nachprüfungen vorzunehmen, verletzen Steinmann und Schmid ihre
Amtspflicht erheblich.
Lehrmeinungen und die Praxis
Die heutige Lehrmeinung wird in der Schweiz an den
Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) in Zürich und
Lausanne gemacht. Auch da wird behauptet, dass nur die Verminderung
der Wärmeleitung die dominante
Wärmeenergie-Einspargrösse darstellt. Dass diese Theorie
mit der Realität nicht übereinstimmt, wird von den
ETH-Professoren seit Jahrzehnten verdrängt. Die
Minergie-Irrlehre erfährt selbstverständlich auch ihre
"Würdigung" durch die Eidgenössische
Materialprüfungsanstalt (Empa), obwohl in diesem Institut
genügend Hinweise existieren, welche darauf hinweisen, dass der
Minergie-Standard lediglich eine Chimäre darstellt.
Da die Vertreter von ETH und Empa gleichzeitig in den
Normenkommissionen des Schweizerischen Ingenieur- und
Architektenvereins (SIA) Einsitz haben, ist das Chaos perfekt. Nun
bilden falsche SIA-Normen die Grundlage für die
eidgenössischen und kantonalen Energiegesetze.
Minergie-Standard führt zu
einer weiteren Verluderung im Bauwesen
Nebst der Tatsache, dass die behaupteten Energieeinsparungen bei
der Anwendung des Minergie-Standards vergleichsweise und im
allgemeinen nicht erzielt werden können, führt
das Bauen nach dem Minergie-Standard zu einer totalen Verluderung der
elementaren Regeln der Baukunst. Baumaterialien und
Konstruktionen werden favorisiert, weiche für Bauzwecke absolut
ungeeignet sind. [Anmerkung
der Mythen-Post: Nicht oder schlecht sorptionsfähige Glas- und
Steinwolle, Polystyrol!!]
Mit diesem fragwürdigen Standard wird ausserdem die
Gebrauchstauglichkeit und die Zeitstandfestigkeit der
Gebäudehülle von Hochbauten drastisch vermindert und somit
Geld vergeudet. Gleichzeitig wird unbedarft auch ein
erhöhtes Brand- und Schallrisiko in Neubauten wie auch bei
Sanierungen in Kauf genommen.
Da auch die materialtechnischen Probleme der
Wärmedämmstoffe beim Minergie-Standard nicht gelöst
sind, Wände nicht mehr "atmen" können
[Anmerkung
der Mythen-Post: Nicht oder schlecht sorptionsfähige Glas- und
Steinwolle, Polystyrol!!] und
deshalb die Wohnungen zu feucht werden, wird mittels kontrollierter
Lüftung [Anmerkung
der Mythen-Post: Klima- und Lüftungsanlagen sind bekannte
Bakterienschleudern!] versucht,
diesen Mangel auszugleichen. Auch für dieses Szenario fehlen die
wissenschaftlichen Untersuchungen. Ein flächendeckender Einsatz
dieses Ventilatorenkonzeptes ist deshalb nicht zulässig. Zu
hohe Raumfeuchtigkeit und kontrollierte Lüftung sind
Krankheitsverursacher. Sie bilden ein unverantwortliches
Gesundheitsrisiko.
Minergie-Standard bringt
höhere Baukosten
Der Minergie-Standard verursacht auch zu hohe Baukosten, die sich
nicht auszahlen bzw. niemals amortisieren lassen, er treibt den
Energieverbrauch und infolge ungesunder Wohnungen die
Gesundheitskosten in die Höhe. Ausserdem ist der
Minergie-Standard im Falle des Misserfolges wegen der Vermischung von
individuellen und technischen Energieverbrauchswerten juristisch
nicht einklagbar.
(Original-Text aus: Limmattaler Tagblatt vom
29.11.03)
E-Mail an: Mythen-Post