Mythen-Post löst Kontroverse aus
Interessante Reaktionen auf die Mythen-Post 11/01

(en/im) Von Kritikern und Gegnern wird die Mythen-Post seit Jahren herablassend als "Blättli" (wegen dem kleinen Format) bezeichnet. Tatsache ist, dass keine andere Zeitschrift im Kanton Schwyz weit über die Kantonsgrenzen hinaus regelmässig ein so grosses Echo auslöst (Schweizer Fernsehen, "Beobachter", "K-Tipp", etc.). Im folgenden werden Stellungnahmen und Kommentare von Lesern wiedergegeben.

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Egerkingen, 14. November 2001

Sehr geehrter Herr Beeler
Der
Text auf Seite 27 zum Thema Excipial ist wissenschaftlich unhaltbar, unsachlich tendenziös und kreditschädigend. Es werden vor allem Triclosan als Konservierungsmittel und die Parfümierung beanstandet.
Triclosan ist ein wichtiger dermatologischer Wirkstoff, der dank seiner antiseptischen Wirkung gerade bei der Neurodermitis eine wichtige adjuvante therapeutische Funktion hat. Triclosan ist betreffend Verträglichkeit - im Vergleich mit anderen Konservierungsmitteln und Antibiotika - besonders gut geeignet, da praktisch keine allergischen Reaktionen auftreten. Triclosan ist ein wichtiger dermatologischer Wirkstoff in Fertigarzneimitteln und in den internationalen Arzneibüchern monographiert. Die strenge amerikanische Behörde FDA hat Triclosan als nicht toxisch und sicher für die topische und orale Anwendung (Zahnpasten) bewertet. Als Konservierungsstoff ist Triclosan auch in der europäischen Kosmetikverordnung zugelassen. Der Stoff dringt nur in geringstem Umfang in die Haut ein. Die Wirkung im Körper ist daher vernachlässigbar. Der Hinweis auf mögliche Leberschädigungen ist haltlos.
Die in Excipial eingesetzten Parfümstoffe sind dermatologisch geprüft, aus wenigen Komponenten zusammengesetzt und haben ein geringes Sensibilisierungspotential. Excipial ist auf Grund der Erfahrung der Experten zum wichtigsten Hautpflegepräparat in der Schweiz und in mehreren europäischen Ländern geworden. Wir legen Ihnen auch gerne eine Beurteilung von Prof. Gloor von der sehr bekannten Hautklinik aus Karlsruhe bei. Prof. Gloor gilt als einer der führenden Experten im Bereich der Hauttherapie.
Einen Abdruck des beigelegten Textes als Gegendarstellung erwarten wir in der nächsten Ausgabe der Mythen-Post.
Freundliche Grüsse
Spirig Pharma AG
Dr. Christian Pflugshaupt
Delegierter VR

Gegendarstellung der Firma Spirig zum Text in Mythen-Post 11/01 vom 6. November betreffend Excipial

"Es wird behauptet, dass Excipial mehr schade als nütze.
Richtig ist: Die schweizerischen Gesundheitsbehörden dokumentieren mit der Registrierung von Excipial als Arzneimittel, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis positiv ist - das deckt sich auch mit der Erfahrung der führenden Kliniker in Europa.

Es wird behauptet, dass Triclosan über die Haut in den Körper gelange und dort die Leber beeinträchtige.
Richtig ist: Triclosan wurde von den europäischen und amerikanischen Behörden als sicheres und wirksames antibakterielles Mittel bestätigt. Triclosan dringt kaum in die Haut ein und schädigt die Leber nicht.

Es wird behauptet, dass Spirig problematische Parfümstoffe einsetze.
Richtig ist: Spirig setzt dermatologisch getestete, auf wenige Komponenten beschränkte Parfümstoffe ein.

Excipial ist das wichtigste, von den Behörden geprüfte und klinisch nach modernsten Grundsätzen geprüfte Pflegepräparat für die Neurodermitis.

Spirig Pharma AG"

Die Firma Spirig unterlegt ihre Ausführungen zusätzlich mit einer Stellungnahme vom 27. Januar 1999 der Schweizer Dermatologen zum Artikel "Pflegemittel für Neurodermitiker", PULS-Tipp 1/99:
An die Redaktion PULS-Tip, Wolfbachstrasse 15, Postfach 277, 8024 Zürich.
Zitat: "Die Beurteilung der Pflegepräparate für Neurodermitiker durch PULS-Tipp deckt sich bei weitem nicht mit der klinischen Erfahrung von uns Spezialärzten. Dermatologisch wichtige Kriterien wie Fettung der Haut, Hydratisierung, Barrierestabilisierung und als Konsequenz die Juckreizstillung wurden ebensowenig geprüft wie die Verträglichkeit. Diverse angegriffene Inhaltsstoffe wie z.B. das Antiseptikum Triclosan oder die Basisstoffe Silicone und Paraffinöl sind bekannte, dermatologische Wirkprinzipien; sie gehören zum Arzneischatz, sind behördlich geprüft und gelten als sicher und wirksam.
Die Zusammenstellung von PULS-Tipp ist unwissenschaftlich und enthält falsche Verallgemeinerungen. Die abgeleiteten Empfehlungen sind deshalb für den Anwender wertlos und verunsichern unsere Patienten.
Für die SGDV:
Dr. med. Jean-Paul A. Gabbud
Präsident SGDV"

Am 5. Februar 1999 bekommt Bernhard Merkel von der PULS-Tipp-Redaktion auch noch Post von Prof. Dr. S. Büchner vom Kantonsspital Basel. Dieser schreibt:
"Sehr geehrter Herr Merkel
Ich habe im Rahmen des obengenannten Artikels zur Pflege der Haut bei Neurodermitikern Stellung genommen.
'Ohne mein Wissen wurde in diesem Zusammenhang der Schadstoff-Test über Pflegemittel des deutschen Blattes 'Oeko-Test' abgedruckt. Dabei wurde aufgrund gewisser Inhaltsstoffe eine fragwürdige Bewertung der Präparate vorgenommen, die sich heute wissenschaftlich nicht aufrechterhalten lässt und zwangsläufig zu einer unnötigen Verunsicherung von Patienten und Konsumenten führt. Es handelt sich bei einigen der aufgeführten Pflegemittel um von der Interkantonalen Kontrollstelle für Heilmittel (IKS) zugelassene Arzneimittel, die seit Jahren zur Behandlung der Neurodermitis mit Erfolg eingesetzt werden.
Zudem ist die Beschreibung der Eigenschaften von Inhaltsstoffen irreführend und falsch. Es wurden auch Inhaltsstoffe verurteilt, die als dermatologische Wirkstoffe in den verwendeten Konzentrationen gerade in der Behandlung der Neurodermitis sehr sinnvolle Arzneimittelkomponenten darstellen. Darüber hinaus sind einige der erwähnten Inhaltsstoffe von den interkantonalen Registrierungsbehörden zugelassen und als unbedenklich bewertet worden. Der Neurodermitiker wäre mit einer differenzierten und wissenschaftlich fundierten Darstellung besser beraten gewesen.'
Ich bitte Sie, meine Stellungnahme im nächsten Puls-Tipp zu publizieren.
Mit freundlichen Grüssen
Prof. Dr. S. Büchner"

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Ein paar kritische Gedanken der Mythen-Post zur Gegendarstellung der Firma Spirig
Die Mythen-Post hat nicht eine Behauptung aufgestellt, sondern im Titel die Frage gestellt "Verschreiben Ärzte seit Jahren eine Ekzem-Crème, die mehr schadet als nützt?" (siehe Mythen-Post 11/01, Seite 27).
Zur Feststellung, das Nutzen-Risiko-Verhältnis sei positiv, ist folgendes zu sagen: Ähnlich wird die Produktion, der Verkauf und die Anwendung von Glas- und Steinwolle heutzutage gerechtfertigt. Quecksilber-Amalgam ist in der Zahnmedizin nach wie vor nicht verboten. Ebenso erlaubt der Bund den Import bzw. Verkauf von Fahrzeugen mit grellem, augenfeindlichem Xenon-Licht. Kurz: Wirtschaftliche Interessen haben Vorrang. Das ist in der heutigen Medizin kaum anders.
Triclosan: Ob bei dieser Beurteilung die Konsumentenschutz-Zeitschrift Oeko-Test recht hat oder die Firma Spirig, können wir nicht abschliessend beurteilen. Oeko-Test wird seine Beurteilung nicht erfunden, sondern - so ist anzunehmen - sich seinerseits ebenfalls wissenschaftlich abgestützt bzw. abgesichert haben.
Parfümstoffe: Diese sind an sich problematisch und gehören nicht in ein medizinisches Produkt. Bei Neurodermitis handelt sich um eine Atopie. Dass bei einer allergischen Erkrankung zusätzlich und unnötig Duftstoffe (die ihrerseits eine Allergie auslösen können!) eingesetzt werden, ist medizinisch unhaltbar. Ob "geprüft" oder "nicht geprüft" ändert daran nichts. Wir raten der Firma Spirig (und selbstverständlich auch allen anderen Herstellern) dringend, auf den Einsatz von unnötigen Parfümstoffen in sämtlichen Präparaten zu verzichten.
Positiv ist, dass die Firma Spirig eine Gegendarstellung verlangt hat und nicht (wie andere...) gleich eine Klage wegen angeblich "unlauterem Wettbewerb" erhoben hat. Auf diese Weise ist eine Diskussion über das Produkt möglich.
Die Mythen-Post ist gerne bereit, weiter Raum für Stellungnahmen von Patienten, Ärzten, der Pharma-Industrie, Pharma-Kritikern etc. zur Verfügung zu stellen. Herrn Dr. Christian Pflugshaupt, Delegierter VR der Firma Spirig AG, Egerkingen, möchten wir für seine Stellungnahme danken.
Urs Beeler

Kritisch sein!
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Stellungnahmen von Professoren mit Vorbehalt zu geniessen sind. So hat z.B. der leitende Arzt der Allergiestation des Universitätsspitals Zürich in einem Schreiben vom 23. Oktober 1998 behauptet, dass er noch nie mit einem Fall von Allergie auf Mineralfaserplatten konfrontiert worden sei. Und es handle sich "nicht um Allergien auf Mineralfaserplatten". Das sehen kritische Wissenschafter aber etwas anders. Phenolformaldehydharz (Bindemittel), das bei Feuchtigkeit ausgast, ist ein bekannter Allergieauslöser.


 

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