(no) Vor rund einem Jahr, am 20.11.01, berichtete "Tele 24" in der Sendung SWISS NEWS, welche von Hugo Bigi moderiert wurde, von einem Teppichleger, der an der Folge von giftigen Dämpfen starb. Offenbar muss es sich um einen problematischen Leim (Lösungsmittel) gehandelt haben. Spontan kommt mir Markus Steiners Spruch in den Sinn: "Wenn dieses Produkt tatsächlich so gefährlich ist, wäre es verboten."
Wenn jemand zuvor gewarnt hätte...
Nehmen wir an, die Mythen-Post hätte ein halbes Jahr vorher
vor diesem Leim oder Lösungsmittel gewarnt, das Produkt
namentlich kritisiert und gesagt: "Die Dämpfe von Produkt xy
sind gefährlich. Kaufen Sie es ja nicht!" wäre
folgendes passiert: es hätte vom entsprechenden Hersteller
sofort eine Klage wegen "unlauterem Wettbewerb" gegeben. Der
Mythen-Post wäre vorgeworfen worden, sie würden durch
"unrichtige und irreführende Angaben" den guten Ruf des Leim-
oder Lösungsmittelherstellers herabsetzen. Es würden
Gefälligkeitsgutachten vorgelegt, welche die
Ungefährlichkeit des Produkts "bestätigen". Aus diesen
"Gutachten" würde hervorgehen, dass die Anschuldigungen der
Mythen-Post völlig haltlos seien. Arbeitsplätze des Leim-
und Lösungsmittelherstellers seien durch die Kritik unseres
Blatts gefährdet usw.
Die Reaktion der Justiz
Bei der aktuellen Gesetzgebung würde mit Sicherheit
folgendes passieren: die Mythen-Post würde mit einer hohen
Geldstrafe wegen "Verstoss gegen das Bundesgesetz betr. unlauterem
Wettbewerb" gebüsst, müsste die überrissenen
Anwaltskosten der Gegenpartei bezahlen und würde vielleicht auch
noch zu Schadensersatz verklagt. So läuft es in der "freien"
Schweiz. Auf diese Weise wird der "freie Wettbewerb"
geschützt!
Die Reaktion des Gewerbes
Doch damit nicht genug: Das einheimische Teppichverleger-Gewerbe
wäre über die Berichterstattung der Mythen-Post betroffen,
weil einzelne Firmen ebenfalls mit den kritisierten Leimen- bzw.
Lösungsmitteln arbeiten (Denken Sie hier z.B. an H.K., Steinen
oder D.L., Ibach).
Aus "Solidarität" zum Hersteller würde man die Mythen-Post
boykottieren. Es würde damit argumentiert,
Teppichfachgeschäfte würden durch die negative
Berichterstattung der Mythen-Post "schlecht gemacht" und Konsumenten
verunsichert. Das sei "gewerbefeindlich" und dagegen gebe es nur ein
Mittel: Boykott der Mythen-Post! (Merke: Obwohl dieses Verhalten
selbst unlauter wäre bzw. ist, könnten wir uns gegen solche
tatsächlich unlauteren Machenschaften juristisch gar nicht
wehren. Es gäbe hier keine rechtlichen Mittel, bestätigte
uns auch ein Untersuchungsrichter.)
Warum nimmt die heutige Presse keine
Verantwortung wahr?
Auf der einen Seite der
Justizapparat, auf der anderen Seite das Gewerbe: Welcher Zeitung
fällt es dann noch in den Sinn, vor problematischen Produkten zu
warnen, wenn dabei Verluste in Kauf zu nehmen wären bzw. die
wirtschaftliche Existenz der Zeitung selbst gefährdet
wird?! Ehrlicher, geradliniger
Journalismus ist in diesem Gesellschaftssystem nicht rentabel und bei
der vorherrschenden Gesetzgebung/Justiz wohl gar nicht
realisierbar!
Grosse Verlagshäuser machen beim Betrug lieber gleich selber mit
und profitieren durch Anzeigen-Einnahmen. Als Konsument erfahren Sie
nur das, was Sie erfahren dürfen!
So kommt es, dass die Zeitungen und Zeitschriften meist nur noch
unwichtiges Blabla bringen und zu wichtigen, brisanten Themen
schweigen.
Die Abwimmler
Und selbstverständlich kommen auch noch nach diesem
tragischen und unnötigen Todesfall bestimmt Leute, die
argumentieren, das Produkt selbst sei "nicht daran schuld". Man
hätte halt besser lüften sollen (damit die giftigen
Dämpfe einfach an die Umgebung abgegeben werden! Damit ist die
Gefahr dann weg?!)
Bei besagtem Beitrag, der von "Tele 24" gesendet wurde, sah man, dass
die Kellerdecke offen mit Glaswolle (!) isoliert worden war. Wenn
jemand daran sterben würde, würde es vermutlich heissen:
"Sie hätten halt die Anwendungsvorschriften auf der
Verpackung lesen sollen..."
Nur persönliche Betroffenheit bringt die
Menschen weiter
Im deutschen Fernsehen wurde ein Beitrag gezeigt, wo Richter nach
der Renovierung eines Justizgebäudes selber erkrankten und unter
typischen Vergiftungserscheinungen zu leiden begannen. Die
persönliche Betroffenheit führte dazu, dass sie vor dem
Fernsehen ähnlich argumentierten, wie es die Mythen-Post seit
Jahren tut. Müssen denn in diesem Land tatsächlich
zuerst tausende von Leuten an Allergien oder Krebs erkranken, bis man
merkt, was los ist? Ja, natürlich: Es stirbt ja selten jemand
sofort. Wer mit Asbest, Glas- oder Steinwolle gearbeitet hat,
erkrankt vielleicht erst in 20, 30 oder 40 Jahren. Und bis
problematische Parfümstoffe (in Waschmitteln, Weichspülern,
Duschmitteln, Deos, Rasierschaum, Rasierwasser, Binden usw.) einen
Organismus schädigen, dauert es auch eine Zeit.
E-Mail an: Mythen-Post