(fm) Franz Müller, Seewen, stellte Urs Beeler einige Fragen.
Seit dem Bericht über die Schwyzer
Schweinefabriken wurde Ihre Zeitschrift von diversen
Gewerbetreibenden boykottiert. Wenn Sie gewusst hätten, auf was
Sie sich einlassen, würden Sie sich anders verhalten haben?
Urs Beeler: Journalistisch-ethisch war das Vorgehen der
M.-P. absolut richtig. Ich würde es trotz allen finanziellen
Einbussen wieder machen.
Wenn man weiss, wo Unrecht geschieht, muss man es bringen, egal, was
für "Konsequenzen" das hat.
Vor allem Umweltschutz und Konsumentenschutz
wurden thematisiert. Warum das?
Urs Beeler: Tierschutz, Umweltschutz und Konsumentenschutz
müssen Selbstverständlichkeiten sein. Wenn sie es eines
Tages sind, muss man sie auch nicht mehr bringen.
Heute läuft es anders. Wirtschaftswachstum
ist angesagt...
Urs Beeler: 2 % Wirtschaftswachstum bedeutet nichts
anderes als Verdoppelung in 35 Jahren. Man muss sich das einmal ganz
konkret vorstellen: doppelt soviele Autos, doppelt soviele
Wohnhäuser, doppelt soviele Strassen. - Wollen wir das
überhaupt? Ist es sinnvoll?
In Schwyz läuft es aber genau so...
Urs Beeler: Heute wird den Bürgerinnen und
Bürgern vorgegaukelt, je mehr MythenForums, je mehr Hofmatts, je
mehr AHV-Gebäude, Mythen-Centers, Dreifachturnhallen und grelle
Natrium-Hochdrucklampen etc. wir hätten, desto höher unser
Wohlstand sei. Wie aber steht's mit der Lebensqualität? Sind die
Menschen glücklicher als früher geworden?
Sehen Sie das nicht zu negativ?
Urs Beeler: Ich betrachte die Entwicklung der vergangenen
20 Jahre und rechne sie auf die nächsten Jahrzehnte hoch. Das
Ergebnis stimmt mich nachdenklich.
Von gewissen Kreisen wird Ihnen seit Jahren
"Gewerbefeindlichkeit" vorgeworfen...
Urs Beeler: Es sind Leute, die sich halt betroffen
fühlen. Für gewisse Personen heisst Gewerbepolitik
primär "Profit um jeden Preis". Einziger Massstab ist für
sie das Geld. Sie fordern Kritiklosigkeit. Nichts über
bedenkliche Baumaterialien bringen; schweigen, wenn Millionen
für irgend ein fragwürdiges öffentliches Bauprojekt
zum Fenster hinausgeworfen werden; nichts über Immissionen etc.
schreiben - und vor allem: ja nicht nachdenken!
Es heisst oft, Sie seien "nur negativ"...
Urs Beeler: Ich bin im Grunde ein positiver,
optimistischer, lebensfroher Mensch. Schwyz bedeutet mir viel. Gerade
deshalb macht es mich oft masslos wütend, wenn ich sehe, wie
gewisse Kreise skrupellos abwirtschaften und Schwyz
zerstören.
Sie haben sozusagen einen heiligen Zorn?
Urs Beeler (lachend): Ja, diese Bemerkung habe ich schon
öfters gehört.
Aber ist es denn tatsächlich so
schlimm?
Urs Beeler: Der Prozess findet schleichend statt, so dass
es (zu) viele gar nicht merken.
Ja, aber man kann doch die Zeit nicht
zurückschrauben...
Urs Beeler: Ich kenne diese Argumentation. Darauf antworte
ich immer: Das Gute bewahren, das Schlechte negieren und stattdessen
etwas positives Neues entwickeln.
Interessieren sich die Leute für
Konsumentenschutz-Beiträge in der Mythen-Post?
Urs Beeler: Es wäre wichtig...
Viele Leute sehen die Missstände,
fühlen sich jedoch nicht in der Lage, etwas ändern zu
können. Soll die Mythen-Post sozusagen ein Sprachrohr für
diese Menschen sein?
Urs Beeler: Motor für die
Konsumentenschutz-Beiträge war meine Auffassung der Pflicht,
aufzuklären. Die Konsumenten werden heute von der
Industrie manipuliert. Objektiv betrachtet sind viele Produkte nicht
besser, sondern schlechter geworden. Die Werbung gaukelt jedoch das
Gegenteil vor.
Warum gelangen Sie nicht direkt an die
Industrie?
Urs Beeler: Weil das nichts bringt. Die Chemieindustrie
weiss z.B. ganz genau, dass diese und jene Substanzen in
Abwaschmitteln etc. problematisch sind. "Wenn Sie das doch wissen,
warum machen Sie nicht Produkte, die alle vertragen", fragte ich.
"Wenn es 90% der Konsumenten vertragen, genügt uns das", war die
Antwort. Man wolle schliesslich Geld verdienen. Und dann immer wieder
die zarte Drohung, ich müsse "aufpassen", wenn ich etwas
schreibe.
Sie gelten mit Ihren Ansichten als
"radikal"...
Urs Beeler: Ich bin dort kompromisslos, wo's nötig
ist (z.B. Tierschutz) und es darum geht, etwas Positives (z.B.
bessere Haltungsbedingungen) zu bewirken.
Wenn ich Fehler mache, korrigiere ich die. Denn auf Fehler zu
beharren, wäre bereits ein zweiter Fehler.
Von diversen Inserenten wurde der Wunsch
geäussert, die Mythen-Post etwas "zahmer" zu machen...
Urs Beeler: Der provokative Stil des Hefts hat zu einem
sehr hohen Beachtungsgrad geführt und die Zahl der Abonnenten
bzw. Sponsoren ist gestiegen. Ich glaube, dass es auf die Dosierung
ankommt. Mein Ziel ist, den optimalen "Mix" zu finden, der Inserenten
und Leser zufriedenstellt.
Ist nicht auch die heutige Informationsflut ein
Problem?
Urs Beeler: Ja, deshalb ist es wichtig, dass man sich auf
das Wesentliche beschränkt.
Glauben Sie, journalistisch etwas bewegen zu
können?
Urs Beeler: Selbst, wenn ich wüsste, dass es nichts
bringt, würde ich es dennoch tun. Rein aus Prinzip. Die Frage,
ob es etwas bringt, stelle ich mir meistens gar nicht.
Was betrachten Sie neben der
"Beobachter"-Funktion als Aufgabe der Mythen-Post?
Urs Beeler: Wir müssen schauen, die kleinen, gesunden
Strukturen aufrecht zu erhalten. Für die Mythen-Post gibt es
viel Arbeit: Stärken der kleinen und mittleren
Fachgeschäfte der Region mit guter PR. Fürsprecher sein
für den dezentralen Einkauf, gewissen "Lobbyisten" weiter auf
die Finger schauen, Tierschutz-Recherchen usw.
Werden Sie das umsetzen können?
Urs Beeler: Solange es noch unabhängige Gewerbler in
Innerschwyz gibt, wird es - so Gott will - auch eine Mythen-Post
geben. Abdanken sollte man erst, wenn man wirklich alles versucht
hat. Vorher heisst es weiterkämpfen!
Sie kämpfen also weiter...
Urs Beeler (lachend): "Alles, was einen nicht umbringt,
macht einen stärker" (Nietzsche). Die Boykotte gewisser Kreise
haben gezeigt, dass dort etwas faul ist. Dann fange ich an, wie ein
Zahnarzt zu bohren.
Die finanziellen Einbussen muss man anderweitig auszugleichen
versuchen. Nachgeben würde nur heissen, den
Rückständigen recht geben. Das wäre schon aus Prinzip
falsch.
Sie sind eigentlich seit 10 Jahren -
Gründung Ihres Verlags - in "permanentem Einsatz". Was ist Ihr
Ausgleich?
Urs Beeler: Die Natur (saubere Luft, sauberes Wasser,
strahlend blauer Himmel) geniessen, gut essen und trinken. Dann
bietet aber auch meine Arbeit viel Abwechslung und quasi "von selbst"
einen Ausgleich.
Ich schaue mir sehr gerne qualitativ gut gemachte Comedy-Serien und
Spielfilme an. Im Prinzip ist das die Welt, in der ich mich
wohlfühle, wo's gut und lustig zugeht. So amüsant sollte
eben auch das echte Leben sein!
Haben Sie zum Schluss dieses Interviews einen
speziellen Wunsch?
Urs Beeler: Ja, ich möchte allen Kunden, Abonnenten
und Sponsoren der Mythen-Post für ihre Treue ganz herzlich
danken und wünsche allen viel Glück und Erfolg!
Herzlichen Dank für das Gespräch!
E-Mail an: Mythen-Post