Nach dem EWR-Nein
Geradlinige Politik (ein Beitrag aus dem Jahre 1993)

(blo/vo) Im Dezember 1992 hat das Schweizer Stimmvolk NEIN zum EWR gesagt. Die Stimmbürgerschaft hat dem konzentrierten Ansturm des Bundeshauses, der classe politique, der Grossindustrie sowie der extrem einseitigen Haltung der Medien standgehalten. Und das ist gut so. Denn ein EWR-Beitritt wäre für unser Land alles andere als förderlich gewesen. Er hätte Abbau unserer direkten Demokratie und unserer staatlichen Souveränität bedeutet. Und was vor allem zu bedenken ist: der Zug wäre dann schnell in Richtung EU gerollt.
Das klare Ergebnis der Deutschschweiz war für die meisten EWR-Befürworter und die Massenmedien ein Schock. Monatelang hatten sie für einen Beitritt plädiert, ja viele Mittel dafür eingesetzt. Auch in unserer Region.

Volksentscheid respektieren
Nach der Abstimmung vom 6. Dezember 1992 hätte man eigentlich erwarten dürfen, dass die Sache geklärt ist, Bundesrat und Parlament den Volkswillen respektieren und ihre Politik entsprechend ändern. Während Wochen wurde stattdessen ein wirtschaftliches Schreckensszenario aufgezeichnet und die Schweiz als isoliertes, gespaltenes Land ("Röstigraben") dargestellt. Wenn unter Isolation verstanden wird, dass unser Bundesrat nicht an irgendwelchen Leerlauf-Sitzungen des EWR oder der EU teilnehmen kann, dann ist das doch nur von Vorteil. Und besteht nicht schon seit jeher ein Unterschied zwischen den Welschen und den Deutschschweizern, der allein schon durch die Sprache gegeben ist?
Tatsache ist, dass die Schweiz in keiner Weise isoliert ist. Wir sind geographisch und wirtschaftlich mit Europa eng verbunden. Das heisst aber noch lange nicht, dass wir uns zusätzlich an eine EU verkaufen müssen! Die direkte Demokratie, die staatliche Souveränität, die bewaffnete Neutralität der Schweiz sind unantastbar. Diese immateriellen Werte gegen vorgegaukelte wirtschaftliche Vorteile eintauschen zu wollen, wäre nicht nur dumm, sondern verantwortungslos!
Und genau so verantwortungslos handeln Politiker der CVP, FDP, SP und der Grünen, die jetzt sagen: "Ja, wir kommen doch nicht ohne EWR- bzw. EU-Beitritt aus." Eine nochmalige Abstimmung über den EWR oder eine irgendwie andersgeartete institutionelle Bindung an die EU darf nicht in Frage kommen! Dagegen sind gute, vertrauensvolle Beziehungen zur EU und zu allen Staaten der Welt nach dem Prinzip der gegenseitigen Gleichberechtigung zu pflegen.

Einseitige Medien
Von den Medien werden die EWR/EU-Gegner gerne als "Hinterwäldler", im Gegensatz dazu die EWR/EU-Befürworter als "fortschrittlich", "aufgeklärt" und "offen" dargestellt. Wenn der Fortschritt darin bestehen soll, die schweizerische Umweltgesetzgebung und den Konsumentenschutz auf europäisches Niveau zu senken, man unter Aufgeklärtheit versteht, sich von Brüssel regieren zu lassen und die Offenheit so aussieht, dass man noch mehr Ausländer in unser Land aufnehmen will, sieht man, wie von falschen Voraussetzungen ausgegangen wird.

"Das EWR-Nein ist schuld"
Wenn ein Schweizer Fabrikant Weichkäse und ein anderer Polstermöbel ins Ausland verkaufen will und sich anstrengt, dann schafft er das auch. Dass gerade diejenigen Firmen, die vor dem 6. Dezember 1992 Mühe mit dem Export hatten, im nachhinein alles auf den Nichtbeitritt zum EWR abschieben, ist schon sehr billig. Glaubt denn wirklich ein Mensch, nach einem EWR-Beitritt wäre es diesen Betrieben besser ergangen? Wenn ein Unternehmer jahrelang über seine Verhältnisse gelebt und ein falsches Marketing betrieben hat, dann ist er daran min den meisten Fällen selber schuld!

Klare politische Haltung
Der Bundesrat hat sich wieder bewusst zu werden, dass er die Regierung des gesamten Schweizervolkes ist und dessen Wohlfahrt zu fördern hat. Die aussenpolitische Hektik ist abzubauen und die verfassungsmässigen Zielsetzungen der Behauptung und Unabängigkeit unseres Landes gegen aussen und die Wahrung der Sicherheit und Neutralität sind wieder in den Vordergrund der Politk zu stellen.


 

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