(vo) Es gibt Leute, die - wenn sie im Zweifel sind
- Nein stimmen und solche, die Ja sagen. Die dritte Möglichkeit
wäre die der Stimmenthaltung. Was ist nun am
vernünftigsten?
Wenn eine Frau vor der Heirat feststellt, dass sie nicht sicher ist,
ob sie ihren künftigen Mann wirklich liebt, wird sie besser
daran tun, ihn nicht zu heiraten. Dasselbe gilt für den Mann.
Wenn ein Zwanzigjähriger sich eine Auto-Occasion kaufen will,
der Zustand des betreffenden Wagens aber bedenklich ist, tut er gut
daran, von diesem Handel abzusehen. Wenn ein Bauer das Gefühl
hat, dass die Kuh, die ihm ein Händler andrehen will, zu teuer
ist, soll er das Geschäft besser lassen. Man könnte
allgemein sagen: Im Zweifel besser nein.
Entscheidend aber ist, dass man sich eine eigenen Meinung
bildet. Dazu muss man sich zuerst mit allen Standpunkten vertraut
machen, sie vergleichen und abwägen. Schliesslich gilt es,
persönlich Stellung zu beziehen.
Ein Jurist schrieb seinerzeit vor der EWR-Abstimmung: "Ich habe mich
in meinem Beruf seit Jahren mit wirtschaftsrechtlichen Fragen befasst
und das Zusammenwachsen Europas und die Rolle der Schweiz in Europa
mit Interesse verfolgt. Und dennoch hat mich das EWR-Dossier etwas
überfordert. Ich haben den Vertrag selbst, einen Teil der
Anhänge und eine Vielzahl von Stellungsnahmen für und wider
den EWR gelesen. Aber dies alles reichte nicht aus, um mir
völlige Klarheit über die Tragweite einer Annahme bzw.
Verweigerung der EWR-Frage zu schaffen."
Wie hat sich der betreffende Mann dann entschieden? Hier seine
Antwort: "In dieser Situation habe ich getan, was ich immer mache,
wenn ich bezüglich einer Abstimmungsfrage Zweifel hege. Ich habe
mich auf die Empfehlung des Bundesrates und der grossen Mehrheit des
Parlaments verlassen und Ja gestimmt."
Zum Schluss forderte der Betreffende die Stimmbürgerinnen und
Stimmbürger auf "...im Zweifelsfall auf Bundesrat und Parlament
zu hören."
Wenn ich nicht weiss, wofür ich mich entscheiden soll, sollte
ich mich dann nicht besser der Stimme enthalten?
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