(jb/vo) Jedes Kind kennt Sepp Trütsch,
entweder vom Fernsehen oder dann aus Zeitungen und Zeitschriften. Was
machte Sepp Trütsch, bevor er beim Fernsehen war? Was sind seine
Stärken? Stimmt eigentlich all das, was über ihn in den
Medien zu lesen ist? Was macht Sepp Trütsch in seiner Freizeit?
Diese und andere Fragen beantwortete der Schwyzer TV-Moderator
anlässlich eines Interviews.
Man sieht Sepp Trütsch im Fernsehen, weiss, dass er
volkstümliche Sendungen macht und in Schwyz wohnt. Wir wollten
etwas mehr über den Innerschwyzer TV-Moderator wissen und
machten vor einigen Wochen ein Interview mit ihm.
Herr Trütsch, Sie sind in Schwyz
aufgewachsen. Wo genau?
Sepp Trütsch: Im Loo, 20 m vom heutigen Ort
entfernt.
Behielten Sie Ihren Wohnsitz immer hier?
Sepp Trütsch: Immer.
Dadurch ist anzunehmen, dass Sie eine sehr
starke Bindung zu Schwyz haben...
Sepp Trütsch: Das ist richtig. Ich bin - so
könnte man sagen - "Mythen-süchtig".
Sie gehören dem 49er Jahrgang an, einem
legendären Jahrgang...
Sepp Trütsch (lachend): Ja, das kann man wohl sagen.
Die 49er sind ja ein ganz besonderer Verein mit Namen wie Hugo
Triner, Benno Annen, Haschi Annen, Kuno Weibel, Pius Weber,
Karl-Andreas Schuler, Adolf Kündig, Godi Betschart und vielen
anderen Legenden.
Sind die 49er ein so besonderer Jahrgang
geworden, weil sie auch aussergewöhnliche Lehrer hatten?
Sepp Trütsch: Tatsächlich war damals die Schule
ganz anders im Vergleich zu heute. Unsere damalige Klasse zählte
57 Schüler - alles Buben. So etwas kann man sich heute gar nicht
mehr vorstellen. Und dann hatten wir auch besondere Lehrer. Ich denke
da an den legendären Lehrer Franz Tschümperlin, der uns das
1x1 "hindersi und fürsi" lehrte, seinen Sohn, den späteren
Brigadier Paul Tschümperlin, und natürlich den
unvergesslichen Lehrer Ernst Trütsch.
Erzählen Sie uns doch etwas von Lehrer
Trütsch...
Sepp Trütsch: "Ernst" war ein ganz besonderer Lehrer.
Mir schlug er einmal das Heft auf den Kopf, weil ich zwei Fehler im
Diktat gemacht hatte. Trütsch meinte es sicher nicht böse,
er war einfach ehrgeizig. Seine Klasse musste die Beste sein. Er
wollte aus jedem das Optimum herausholen. Da wurde natürlich
auch viel gedrillt, z.B. Kopfrechnen. Und wenn die Resultate nicht in
der gewünschten Geschwindigkeit kamen oder falsch waren, pflegte
Trütsch mit Kopfnüssen nachzuhelfen. Und wer während
dem Lesen schwatzte, kniete alsbald neben der Tafel.
Trütsch war ein "Zuchtmeister", aber ein gerechter. Wenn er von
einem Schüler wusste, dass er es trotz aller Mühe einfach
nicht konnte, war er sehr nachsichtig. Er wusste auch immer ganz
genau, was er von einem Schüler fordern konnte. Faulheit jedoch
duldete er nicht. Und schon gar nicht Lügen.
Damals war es auch noch Mode, dass die Kinder
Gedichte auswendig lernen mussten. Eine äusserst mühsame
Angelegenheit...
Sepp Trütsch: Für mich nicht. Das
Auswendiglernen von Texten bereitete mir nie Mühe. Diese
Fähigkeit kommt mir heute als Fernsehmoderator natürlich
sehr zugute. Wenn mir jemand 1 Stunde vor der Sendung einen Text
gibt, sitzt der nachher hundertprozentig.
Was folgte nach der legendären
Primarschulzeit im Schulhaus Herrengasse?
Sepp Trüsch: Das Kollegi. Und auch dort hatten wir
wieder einen besonderen Pädagogen: Schulinspektor (für uns
"Professor") Steinegger.
Nach der Sekundarschule machte ich eine 4jährige Drogistenlehre
in Goldau.
Warum in Goldau und nicht in Schwyz?
Sepp Trütsch: Weil damals in Goldau gerade eine
Drogisten-Lehrstelle frei war.
Was folgte nach der Drogisten-Lehre?
Sepp Trütsch: Ich trat eine Stelle in einer Apotheke
in Emmenthal an, der Ort heisst Hassle-Rüegsau.
Blieben Sie lange dort?
Sepp Trütsch: Nein. Ich wurde von einem Pharmabetrieb
angefragt und trat später in den
Ärzte-Beratungsdienst.
Gefiel Ihnen der Beruf Ärzteberater?
Sepp Trütsch: Sehr. Wenn später nicht nach und
nach die Medienarbeit gekommen wäre, würde ich diesen Beruf
mit Sicherheit heute noch ausüben.
Sie erwähnten das Wort "Medienarbeit". Wie
kamen Sie eigentlich zu den Medien?
Sepp Trütsch: Das geschah mehr oder weniger durch
Zufall. Ich hatte mich schon immer für Fest und Brauchtum in der
Schweiz, Volksmusik, alte Lieder usw. interessiert. In meiner
Freizeit verschlang ich eine Unmenge von Büchern zu diesem
Thema, kurz: alles, was ich in die Hände bekam. Parallel dazu
besuchte ich Feste und Bräuche in der ganzen Schweiz.
Weil vor 25 Jahren eigentlich fast niemand etwas zu diesem Thema
verfasste, fing ich damit an. Ich schrieb für verschiedene
Zeitungen, wurde freier Mitarbeiter des Radio Bern (damals unter der
Leitung des legendären Rudolf Marbach) und kam später -
eigentlich durch Zufall - zum Fernsehen.
Sie planten weder eine Medienkarriere noch
kamen Sie mit Vitamin B zum Fernsehen...
Sepp Trütsch: Das ist richtig. Weder fürs Radio
noch fürs Fernsehen hatte ich mich jemals beworben. Ich hatte
immer das Glück, von anderen angefragt zu werden.
Sie üben heute einen Beruf aus, den Sie in
keiner Schule gelernt haben. Wie kamen Sie zum nötigen
Wissen?
Sepp Trütsch: Meine Überzeugung ist, dass man
dasjenige am besten lernt, was einen aus dem Innersten heraus
interessiert. Die beste Schule ist die Schule des Lebens.
Was machen Sie neben Ihrer Arbeit bei SF
DRS?
Sepp Trütsch: Ich mache zum Beispiel noch Sendungen
für das ORF. Dann organisiere ich Grossanlässe,
übernehme PR-Aufgaben usw. Meine Verpflichtungen sind sehr
vielfältig.
Einen Punkt haben wir bis jetzt noch nicht
erwähnt: Ihr Talent zum Singen. Viele Leute kommen ins
Schwärmen, wenn sie davon sprechen, wie Sepp Trütsch gut
jodeln kann. Bekamen Sie Ihr Talent zum Singen vererbt oder hatten
Sie einen guten Lehrer? Gab es jemand, der Sie speziell
förderte?
Sepp Trütsch: Mit dem Begriff Vererbung muss man
etwas vorsichtig sein. Es stimmt zwar, dass auch mein Vater aktiv im
Jodlerklub "Echo Mythen Schwyz" jodelt. Wichtig aber erscheint mir
die Übung. Es heisst nicht umsonst: Übung macht den
Meister. Ich besuchte Kurse an vielen Orten, u.a. auch am
Konservatorium in Bern.
Verschiedene Personen haben mich gefördert. Ein Mann, den ich
hier speziell erwähnen möchte, ist Professor
Veres.
Sie arbeiten in Zürich und sind auch sonst
viel unterwegs. Trotzdem behielten Sie Ihren Wohnsitz in Schwyz.
Warum?
Sepp Trütsch: Weil es mir hier zuhause am besten
gefällt.
In Schwyz können Sie auch ungestört
leben...
Sepp Trütsch: Das ist richtig. Hier hat man seine
Ruhe - und das schätze ich sehr.
Glauben Sie, dass auch Popstar Michael Jackson,
Salman Rushdie oder PLO-Chef Yassir Arafat hier ihre Ruhe
hätten?
Sepp Trütsch: Ganz bestimmt. Kein Mensch würde
sich um sie kümmern.
In den Zeitungen und Zeitschriften wird viel
über Sie geschrieben. Wenn man so mit Ihnen spricht, bekommt man
jedoch einen ganz anderen Eindruck. Warum das?
Sepp Trütsch: Bei vielen Medien ist weniger der
Inhalt als vielmehr die Sensation gefragt. Man kann Journalisten
seriöse Antworten geben und nachher steht trotzdem etwas anderes
in der Zeitung. Ich habe sogar schon erlebt, dass Interviews mit mir
erschienen sind, die ich gar nicht gegeben habe.
Und wie haben Sie darauf reagiert?
Sepp Trütsch (lachend): Gar nicht. Mir ist
völlig egal, was Zeitungen und Zeitschriften über mich
schreiben.
Dann ist es Ihnen auch völlig egal, wenn
es in Leserbriefen heisst, Sepp Trütsch habe in dieser oder
jener Sendung zu viele Österreicher Interpreten eingeladen oder
sein Dialekt sei "Kauderwelsch", nicht das eines echten
Schwyzers...
Sepp Trütsch: Mich stört das nicht im
geringsten. Ich staune jeweils, über was für Dinge sich die
Gemüter erhitzen können.
Aber es wird doch sicher etwas geben, was Sie
in diesem Zusammenhang verärgert...
Sepp Trüsch: Es ärgert mich höchstens, wenn
ich in Zusammenhang mit fachlichen Fragen, z.B. in Bezug auf das
Thema Volksmusik, falsch zitiert werde.
Sie haben erwähnt, dass Schwyz Ihr
Lieblingsort sei. Wo halten Sie sich sonst noch gern auf?
Sepp Trütsch: Mein zweitliebster Aufenthaltsort ist
das Tessin. Auch hier hat man seine Ruhe. Es kümmert sich
niemand darum, wer oder was man ist.
Wer sich länger mit Ihnen unterhält,
spürt, dass Sie ein Medien-Allrounder sind. Dieser Eindruck wird
durch Ihre vielseitigen Aktivitäten bestätigt. Wie
informiert sich der "Informationsmensch" Sepp Trütsch?
Sepp Trütsch: Ich lese sehr viel. Jeden Tag stehen 4
Tageszeitungen auf dem Programm. Wobei ich natürlich nicht die
Zeit habe, alles zu lesen, sondern mich auf das Wesentliche
beschränken muss.
Interessieren Sie sich auch für
Politik?
Sepp Trüsch: Sehr.
Aber von Sepp Trütsch hat man noch nie
eine politische Stellungnahme gehört...
Sepp Trütsch: Das wird man auch nie. Es ist mein
Beruf, Unterhaltungssendungen zu machen.
Was würden Sie als Ihre persönliche
Stärke bezeichnen?
Sepp Trütsch: Meinen "Schtierägrind".
Und was ist Ihre persönliche
Schwäche?
Sepp Trütsch: Ebenso dieser
"Schtierägrind".
Ihr Beruf beansprucht Sie voll. Was machen Sie
als Ausgleich in Ihrer Freizeit?
Sepp Trütsch: Skifahren, Reisen und
Wandern.
Mythen-Post: Besten Dank für das Gespräch!
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