(ed) Was wäre das
Leben ohne Hoffnung! Eines ist sicher: Weder der einzelne noch die
Gesellschaft könnte ohne Hoffnung bestehen. Sie ist die Kraft,
die das Menschengeschlecht am Leben festhalten lässt, die es
immer wieder zum Träumen, Planen und Aufbauen befähigt.
"Ein fröhliches Herz tut dem Leibe wohl", heisst eine
alte Weisheit. Auch in unserer Zeit bestätigt sich dieser Satz
immer wieder.
Nach dem II. Weltkrieg zeigte sich, dass die Kriegsgefangenen, die
fest an ein Überleben geglaubt und den Blick auf die Zukunft
gerichtet hatten, besser davonkamen als diejenigen, die alle Hoffnung
auf eine Heimkehr aufgegeben hatten.
Depressive Menschen betrachten das kleinste Hindernis als
unüberwindbare Schranke. Sie halten jede Reaktion für
zwecklos, weil "ich ja doch nichts ausrichte". So ein Mensch muss
erst lernen, dass er fähig ist, sein Leben selbst in die Hand zu
nehmen.
Auch unser Verhalten wird davon bestimmt, wieviel Hoffnung wir in uns
selbst setzen. Jeder von uns ist schon Menschen begegnet, die zu
unglücklich waren, um gütig zu sein. Der Hoffende sieht
seine Mitmenschen so, wie sie sein könnten, und damit hilft er
ihnen.
Aber trügt uns die Hoffnung nicht Tag für Tag? Ist sie
nicht meist nur ein Ruf im Dunkeln? Die Antwort auf solche Fragen
kennen wir alle: Wir hoffen, auch wenn alle Chancen gegen uns
sind.
Das ganze Leben ist ein Kampf von Licht gegen Finsternis, von Freude
gegen Verzweiflung. Dennoch schöpfen die meisten Menschen immer
wieder Hoffnung.
Warum? Weil die Hoffnung in der Natur des Menschen liegt. Irgendwie
werden wir jeden Morgen neu geboren; wenn die Nacht hinter uns liegt,
erheben wir uns aus der dunklen Welt der Träume und beginnen von
vorn.
Hoffnung für die Gegenwart
Es gibt Zeiten, wo es schwer ist, an die Zukunft zu glauben, wo
man nicht den Mut dazu aufbringt. Dann sollte man sich auf die
Gegenwart konzentrieren. So wie Alkoholiker lernen müssen, einen
Tag lang nüchtern zu bleiben, müssen Verzweifelnde lernen,
nur für einen Tag zu hoffen. Pflegen Sie zunächst das
kleine Glück. Freuen Sie sich auf den nächsten schönen
Augenblick, die nächste Stunde, auf eine gute Mahlzeit, auf ein
neues Buch oder einen Film, auf den Sternenhimmel am Abend und den
Sonnenschein am Morgen. Schlagen Sie in der Gegenwart Wurzeln, bis
Sie wieder die Kraft haben, an die Zukunft zu denken.
Handeln Sie. "Wenn ich keinen Ausweg mehr weiss, zwinge ich mich,
etwas zu tun" - das ist ein guter Rat für jeden, den die
Verzweiflung lähmt, denn er hilft, den toten Punkt zu
überwinden.
Glauben Sie an die Hoffnung. Lassen Sie sich nicht einreden, die
Pessimisten hätten die Wahrheit gepachtet! Pessimisten leben
lieber in einem Nebel von Skepsis, als dass sie eine
Enttäuschung riskieren. Ausserdem: Wer sagt, es gäbe keine
Hoffnung, braucht nicht zu handeln; er hat das beste Alibi für
seine Trägheit.
Hoffnung ist keine Lüge. Der strebende Mensch setzt seine
Hoffnung in Einrichtungen um, die selber wieder
vorwärtsschreiten, auch wenn er selbst eines Tages
ermüdet.
Hoffen ist mehr als eine Tapferkeitsübung - es ist ein
Lebensgrundsatz, der Wunder wirken kann!
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