(vr) Der Bundesrat und das Parlament sind fest entschlossen, den EU-Beitritt der Schweiz durchzuboxen. Viele Bürgerinnen und Bürger sind kritisch. Die Mythen-Post sprach mit einem EU-Gegner, dem sympathischen Pensionär und früheren Schwyzer Gemeinderat Josef Georg Steiner.
Herr Steiner, Sie sind entschieden gegen einen
EU-Beitritt unseres Landes. Warum?
Josef G. Steiner: Wenn die Schweiz der EU beitritt,
verlieren wir automatisch unsere Souveränität. Ich finde es
peinlich, wenn unsere Herren Politiker die Unabhängigkeit
unseres Landes auf dem Verhandlungstisch preisgeben.
Glauben Sie, dass das Schweizer Volk im
allgemeinen gegen einen EU-Beitritt eingestellt ist?
Josef G. Steiner: Davon bin ich überzeugt. Und die
Politiker in Bern und anderswo sollten dies bitte auch zur Kenntnis
nehmen. Hier liegt heute ja gerade das Problem, dass wir eine
Regierung in Bern haben, die aussenpolitisch gar nicht die Interessen
des Volkes vertritt. Denken wir zurück: Seinerzeit wollten
Bundesrat und Parlament mit der Schweiz unbedingt in die UNO. Das
Volk sagte nein.
Aber kann sich die Schweiz ein Nein
überhaupt erlauben? Ist für den Fortbestand unserer
Wirtschaft ein EU-Beitritt nicht notwendig?
Josef G. Steiner: Man muss auch den Mut zum Widerstand und
zur Eigenständigkeit haben! Wir haben unsere Freiheit und
Unabhängigkeit 1914-18 und 1939-45 dank unserer bewaffneten
Neutralität bewahren können. Ich sehe nicht ein, wieso wir
in Zukunft darauf verzichten sollten.
Es wäre ein Widerspruch, im Jahre 1991 - anlässlich der
700-Jahrfeier der Eidgenossenschaft - grosse patriotische
Sprüche zu klopfen, und die Schweiz ein Jahr später in
Brüssel zu verkaufen.
Das Ziel der schweizerischen
Landwirtschaftspolitik bestand einmal darin, 14% der Bevölkerung
in der Landwirtschaft zu erhalten und die Versorgung des Landes in
Krisenzeiten sicherzustellen. Heute sind etwa noch 4% der
Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, und von
möglicher Selbstversorgung spricht kein Mensch mehr. Wir sind
weitgehend vom Ausland abhängig geworden. Gleichzeitig hat man
Böden zerstört, Seen überdüngt und
Überschüsse produziert, die beseitigt werden müssen.
Welche Folgen hätte ein EU-Beitritt für unsere
Landwirtschaft?
Josef G. Steiner: Von der EU-Landwirtschaftspolitik
sprechen wir lieber gar nicht! Lediglich 1/4 der über 100 Mrd.
Subventionen in der EU kommen den Bauern zugut, und zwar das meiste
den Grossbetrieben, den sogenannten Agrarfabriken. 3/4 der
Beträge gehen an die chemische Industrie, an die
Landmaschinenhersteller, an den Agrarhandel, an die
Kühlhäuser, Lagerhausbetriebe, Grossbanken.
Grosse Sorgen haben heute schon die kleinen und mittleren
bäuerlichen und gewerblichen Familienbetriebe. Ein EU-Beitritt
würde ihnen die Existenzgrundlage vollends entziehen!
Wie kann das Schweizer Volk einen EU-Beitritt
unserer Regierung verhindern?
Josef G. Steiner: Indem es wie früher in den
entscheidenden Abstimmungen nein sagt. Das Volk muss an seine
eigenständige Kraft glauben und darf nicht in Resignation
verfallen!
Wie sähe Ihrer Meinung nach die Existenz
einer Schweiz ausserhalb der EU aus?
Josef G. Steiner: Die Schweiz wird sich auch ausserhalb
der EU behaupten. Die grossen Industriebetriebe haben bereits heute
schon Produktionsstätten und Filialen ins Ausland verlegt. Die
qualitativ hochstehenden Schweizerprodukte werden auch ohne
EU-Zugehörigkeit die ausländischen Absatzmärkte
erobern.
Sie haben gesagt, dass die Politiker in Bern am
Volk vorbeipolitisieren würden. Liegt das an den
Parteien?
Josef G. Steiner: Ich glaube, dass das Volk allgemein das
Interesse an den Parteien verloren hat. Wenn eine "Mehrheitspartei"
gerade noch 60 oder 70 Personen an eine Wählerversammlung
bringt, sollte das schon zu denken geben.
Mir erscheint bei Wahlen jeweils wichtig, den richtigen Mann bzw. die
richtige Frau zu wählen. Die Parteizugehörigkeit ist sicher
zweitrangig.
Weit verbreitet ist im Volk der Spruch "Man
kann ja doch nichts ändern". Welche Mittel hat das Volk Ihrer
Meinung nach, politisch etwas zu bewegen?
Josef G. Steiner: Dass es an Abstimmungen und Wahlen
teilnimmt und die Entscheidungen eben nicht einer kleinen,
interessierten Minderheit überlässt.
Wie informieren Sie sich über das
politische Geschehen?
Josef G. Steiner: Ich lese viel und als Stimmbürger
die politischen Verlautbarungen besonders aufmerksam.
Haben Sie neben der Politik weitere Hobbys?
Josef G. Steiner: Mein Lieblingshobby ist mein Garten und
ganz allgemein alle Naturschönheiten. Dann schaue ich mir im
Fernsehen gerne Sportsendungen an, vor allem Fussball. Ich bin auch
ein begeisterter Jasser.
Sie sind ein Mann, der abwägt und
differenziert. Kommt diese Eigenschaft mit der Lebenserfahrung?
Josef G. Steiner: Ich denke schon.
Sie sind öfters ins Ausland gereist. Was
hat Ihnen in den betreffenden Ländern besonders gefallen?
Josef G. Steiner: Die Genügsamkeit der
Landbevölkerung.
Ist die Schweiz Ihr Lieblingsland? Falls ja:
Was schätzen Sie an der Schweiz?
Josef G. Steiner: Die Freiheit - auch für die
Zukunft!
Wo sehen Sie die Probleme, die unser Land in
den kommenden 10-15 Jahren bekommen könnte?
Josef G. Steiner: Die Unzufriedenheit, die Preisgabe
unserer bewaffneten Neutralität und das
Drogenproblem.
Besten Dank für das Gespräch!
E-Mail an: Mythen-Post