(vr) Heutzutage hört man oft: "Ich habe keine Zeit, ich stehe momentan unter sehr grossem Stress. Verschieben wir die Sache auf nächste Woche." Im folgenden finden Sie einige Fragen und Antworten zum Thema Stress.
Haben wir heute mehr Stress als
früher?
Das Leben des Menschen ist tatsächlich immer hektischer
geworden. Der Schluss wäre jedoch falsch, zu glauben, dass der
Mensch früher keinem Druck ausgesetzt war. Der Höhlenmensch
musste Angst haben, z.B. von einem Bären verfolgt und gefressen
zu wurden. Die Nahrungssuche im Winter, Wettereinflüsse, das
Klima usw. sorgten für Stress.
Ist Stress schlecht?
Wenn unter Stress der negative Zustand "chronischer
Überbelastung" gemeint ist, ist er sicher schlecht. Es gibt aber
auch positiven Stress im Sinne der lustvollen, befriedigenden
Betriebsamkeit.
Leiden Männer und Frauen gleichermassen
unter Stress?
Je mehr den Frauen Berufe erschlossen werden, die früher den
Männern vorbehalten waren, desto mehr werden auch sie von den
sogenannten Männerkrankheiten erfasst, die häufig auf
Stressfaktoren zurückgehen - Herzinfarkt, Magengeschwüre
und Bluthochdruck.
Was geschieht, wenn man unter Stress steht?
Bei allen Säugetieren, einschliesslich des Menschen,
produzieren die endokrinen Drüsen ein Hormon, das die
Nebennieren zur Adrenalinausschüttung anregt. Bei diesem Vorgang
beschleunigt sich gewöhnlich der Puls, und die Neigung zum
Schwitzen und zur Reizbarkeit nimmt zu. Manchmal leidet man unter
Schlaflosigkeit, selbst wenn der Stressfaktor längst nicht mehr
vorhanden ist. Es fällt einem schwerer, sich zu konzentrieren,
und man verspürt ein erhöhtes Bedürfnis nach
Bewegung.
Welches sind die häufigsten
Stressursachen?
Da gibt es Unterschiede in den verschiedenen Kulturbereichen und
geschichtlichen Epochen. Gegenwärtig sind die häufigsten
Ursachen für negativen Stress beim Menschen psychischer Natur:
Probleme in der Familie, der Schule, am Arbeitsplatz, in der
Gesellschaft usw.
Schadet übermässiger Stress?
Ja, in jedem Fall. "Davon kriege ich noch ein
Magengeschwür", oder: "Das geht mir auf die Nerven", oder: "Ich
bekomme Migräne", sind keine blossen Redensarten. All das
geschieht wirklich. Schlimmer noch: Wenn man über längere
Zeit ständigem Druck ausgesetzt ist, kann das ernst zu nehmende
Krankheiten nach sich ziehen wie Bluthochdruck, Verengung der
Herzkranzgefässe, Herzanfälle usw.
Es hat in einem solchen Fall wenig Sinn, z.B. ein Magengeschwür
mit Medikamenten zu behandeln, wenn der seelische Druck weiter
bestehen bleibt; es gibt nur eines: Klärung der Situation und
damit Wegfall des "Stressfaktors". Auch hier gilt: Nicht Symptom-,
sondern Ursachenbekämpfung!
Wie wird man mit Stress fertig?
Das Geheimnis ist nicht unbedingt, ihn in jedem Fall zu meiden,
sondern sich selbst treu zu bleiben, also das zu tun, was man gern
tut und wofür man geschaffen ist, und zwar in seinem eigenen
Tempo. Viele müssen einfach lernen, zu leben, bestimmte
Situationen zu meistern, zum Beispiel zu entscheiden: "Will ich
wirklich das väterliche Geschäft übernehmen, oder
möchte ich nicht doch lieber Profi-Musiker werden?" Wenn jemand
ernsthaft Musiker werden will, dann soll er es werden!
Wichtig sind auch Lebensregeln und Grundsätze. Hören Sie
auf Ihre innere Stimme und suchen Sie sich selbst Ihren
"Bestimmungshafen".
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