(sl/vo) Christoph Blocher und seiner AUNS ist es
hauptsächlich zu verdanken, dass der EWR-Beitritt im Jahre 1992
vom Volk abgelehnt wurde. Ebenso dürfte die Ablehnung der
UNO-Blauhelme im Jahre 1994 auf Blochers Konto gehen.
Wenn ein Mann wie Blocher es versteht, grosse Teile des Schweizer
Volkes für oder gegen eine Vorlage zu mobilisieren, gehört
die betreffende einflussreiche Person umso stärker beleuchtet.
Und es stellt sich die Frage: Meint es Blocher ehrlich? Geht es ihm
um das Wohl des Volkes? Spielt da ein Milliardär vielleicht
nicht einfach geschickt mit den Emotionen des Volkes?
Konformität
Mit seiner Profilierung als EWR- und EU-Gegner konnte sich
Blocher viel Sympathie und Stimmen im Volk holen. Auch sein (sicher
nicht uneigennütziger) Kampf für möglichst tiefe
Steuern ist im Interesse der Bürgerinnen und Bürger. Wie
aber sieht die Kehrseite Blochers aus? Hat man Blocher schon jemals
für den Umweltschutz votieren hören, ihn gesehen als
Kämpfer für kleine und mittlere tierfreundliche
Bauernbetriebe? Ist Blocher schon jemals als Konsumentenschützer
aufgetreten?
Immer im Interesse des Volkes?
Der SVP-Politiker aus Meilen sprach sich für den Beitritt
zum GATT aus. Der GATT-Vertrag hat nachweislich negative Auswirkungen
für die einheimische Landwirtschaft.
Blocher befürwortete das ARG. Das Gesetz entpuppt sich in der
Praxis als Maulkorbgesetz.
Die SVP wollte weiterhin "Landwirtschaftspolitik der alten Schule"
(1995 dreimal Ja zu den Landwirtschaftsartikeln) betreiben. Stellte
sich Blocher mit einem Nein - wie es damals nötig gewesen
wäre - quer?
Blocher begrüsste die Mehrwertsteuer. Zum Vorteil der vielen
kleinen Schweizer Dienstleistungsbetriebe?
Blocher's SVP sprach sich gegen die Genschutz-Initiative aus. Zum
Vorteil für die Konsumenten? Gerade dieses Beispiel zeigt, dass
auch für den Chemie-Unternehmer Blocher (Umsatz der EMS-Chemie
rund 1 Mrd. Franken, ca. 2'600 Angestellte) in der Praxis Geld
offensichtlich mehr zählt als Ethik.
Eine schneeweise Weste?
Als herauskam, dass Blocher Zünder für Bomben an die
NATO geliefert hatte, sich gleichzeitig in unserem Land aber vehement
für die Neutralität anlässlich des Jugoslawien-Krieges
aussprach, war er gar nicht erfreut, als ihn eine SF DRS-Journalistin
auf diesen Widerspruch aufmerksam machte.
Blochers Millionen sind nützlich im Kampf gegen einen EWR- oder
EU-Beitritt. Leider verhindern sie bei ihm aber offenbar auch eine
uneigennützige und echt-unabhängige Position, wie sie viele
Bürgerinnen und Bürgern gutgläubig in ihn
hineinprojizieren. - Das Volk kann Christoph Blocher weiter
unterstützen - aber mit Vorbehalt.
PS: Die Mythen-Post fährt seit Jahren als
einzige Zeitschrift in Innerschwyz einen kompromisslosen Anti-EWR-
und EU-Kurs und wird dies auch in Zukunft tun. Wir kämpfen
für die Freiheit, Unabhängigkeit und Neutralität
unseres Landes. Dies hindert uns jedoch nicht daran, politische
Exponenten, selbst wenn sie in einer Sache dieselbe Position
vertreten, zwischendurch kritisch zu beleuchten.
Eine echte Demokratie lebt von verantwortungsbewussten Menschen, die
fähig sind, selber zu denken und vernünftig zu
handeln.
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