(bs) Im September 1990 wurde die Mythen-Post von Urs Beeler gegründet. Wie und warum entstand überhaupt diese regionale Zeitschrift? Welches sind ihre Ziele? Wie soll die Zukunft der Mythen-Post aussehen? Mit Verleger Urs Beeler sprach Sigmund Betschart.
Wie sieht Ihr schulischer bzw. beruflicher
Werdegang aus?
Urs Beeler: Ich besuchte die Primarschule in Schwyz (5.
Klasse beim legendären Lehrer Ernst Trütsch!), danach die
Sekundarschule. Später folgte das Gymnasium, welches ich mit der
Wirtschaftsmatura abschloss. Anschliessend wollte ich in Zürich
Jus. studieren. Bereits am dritten Tag war jedoch mein Bedarf an
"Universitätswissen" gedeckt...
Danach arbeitete ich in verschiedenen Jobs in Zürich. Anfangs
1984 bekam ich eine interessante Stelle als Redaktor bei Armada
International, einer dreisprachig erscheinenden technischen
Zeitschrift. Weil ich mit dieser Arbeit und vor allem mit dem Leben
in der Stadt nicht glücklich wurde, kehrte ich nach Schwyz
zurück. "Was jetzt?" lautete die Frage. Ein glücklicher
Zufall wollte es dann, dass ich als Stellvertreter eine Schulklasse
im Rubiswil übernehmen konnte. Mir machte diese Arbeit sehr viel
Freude. Weitere solche Jobs folgten. Im Laufe von fünf Jahren
unterrichtete ich praktisch alle Fächer (Mathematik, Physik,
Sprachen, Geschichte, Geographie, Turnen usw.) und dutzende von
Klassen. Meine Unterrichtsorte wechselten: auf Schwyz folgte
Rickenbach, dann Brunnen, Steinen, Seewen, Einsiedeln,
Pfäffikon... Schliesslich kamen auch Anfragen aus dem Kanton Zug
(z.B. Cham und Oberägeri).
Ich denke an diese Lehrerzeit - vor allem an meine Zeit in Einsiedeln
- gerne zurück. Mir machte der Umgang mit Jugendlichen sehr viel
Spass.
Wie entstand dann die Mythen-Post?
Urs Beeler: Durch Zufall. Ich suchte im Jahre 1990 etwas,
womit ich mich selbständig machen konnte. Ursprünglich
hatte ich die Idee, ein Produkt in Zeitungsformat herauszugeben. Als
ich mich mit Postverwalter Fritz Muff in Brunnen über die
PTT-Verteilung unterhielt, sagte dieser zu mir: "Der Zeitungsmarkt
ist in der Region gesättigt. Machen Sie doch etwas im Format wie
das ehemalige 'Kleine Haushaltblatt' von Oskar B. Camenzind." Ich
folgte diesem Ratschlag.
Wo wurde die erste Mythen-Post gedruckt?
Urs Beeler: Nach einem Offert-Vergleich bekam der Auftrag
die (ehemalige) Druckerei Anderrüthi in Brunnen. Heute wird die
Mythen-Post von der Druckerei Kürzi in Einsiedeln hergestellt.
Wie lief der Start?
Urs Beeler: Die Voraussetzungen waren alles andere als
günstig. Ich fing nämlich nicht bei Null, sondern bei
Unternull an... Es gab technische und viele andere Probleme.
Vorausschicken muss ich, dass ich als absolutes "Greenhorn" begann.
Von Typographie zum Beispiel hatte ich gar keine Ahnung. Ich musste
mir alles selbst beibringen.
Trotzdem ging es dann irgendwie
aufwärts...
Urs Beeler: Dass die Idee Mythen-Post schliesslich doch
den erhofften Durchbruch schaffte, ist nicht zuletzt der
Solidarität zahlreicher treuer Kunden zu verdanken. An dieser
Stelle möchte ich vor allem Tony Reichmuth, Xaver Schuler und
vielen anderen Gewerblern ganz herzlich danken.
Im weiteren spielte eine gute Portion Glück
sicher auch eine Rolle.
Charakteristisch für die Mythen-Post war von allem Anfang an
das politische Engagement...
Urs Beeler: Ich muss hier betonen, dass die Mythen-Post
bzw. ich parteipolitisch absolut unabhängig sind. Ich war nie in
einer Partei. Was ich jedoch seit Jahren tue, ist, den Parteien auf
die Finger schauen.
Bei manchen Leuten kommt dies aber nicht gut
an...
Urs Beeler: Ich betrachte es als eine wichtige Aufgabe,
auf politische Fehler aufmerksam zu machen. Heutzutage wird in den
Monopolmedien dermassen viel manipuliert, dass es wichtig ist, ein
(kleines) Gegengewicht zu schaffen. Mir ist klar, dass es
genügend Leute gibt, die meinen, man müsse zu allem
schweigen bzw. "ja und amen" sagen.
Kommt Sie diese kompromisslose Haltung manchmal
nicht teuer zu stehen?
Urs Beeler: Sicher. Ein guter Journalist ist meiner
Meinung nach aber nur der, der sich der Wahrheit und Gerechtigkeit
verpflichtet fühlt. Da muss man auch bereit sein,
allfällige finanzielle Nachteile (Inserate-Boykotte usw.) in
Kauf zu nehmen.
Im Jahre 1992 haben Sie sich vehement gegen den
EWR geäussert. Wie waren die Reaktionen?
Urs Beeler: Als ich zu Beginn in dieser Frage noch mehr
oder weniger einsam auf weiter Flur war, hiess es: "Du musst
aufpassen. Wenn du dir mit deiner Haltung nur nicht selber schadest."
Es gab durchaus Kunden, die absprangen, weil sie die Anti-EWR-Haltung
der Mythen-Post nicht teilten. Dann gab es auch Leute, die das
Engagement gut fanden. Die Reaktionen waren sehr
unterschiedlich.
Seit jeher machen Sie sich auch für den
Umweltschutz stark...
Urs Beeler: Weil dieser Bereich ebenfalls
vernachlässigt wird.
Mit manchen Behörden scheinen Sie sich gar
nicht gut zu verstehen...
Urs Beeler: Es würde mir niemals einfallen, eine
Behörde zu kritisieren, die ihre Arbeit gut macht.
Mir persönlich ist es ein grosses Anliegen, dass Behörden
sauber und korrekt funktionieren. Der Bürger soll wissen, was
läuft und er muss in den Staat bzw. seine Beamten Vertrauen
haben können.
Wie sehen Sie die Zukunft der Mythen-Post?
Urs Beeler: Ich möchte die Mythen-Post gerne zu einer
redaktionell interessanten, schön gestalteten, farbigen
Zeitschrift machen, die beim Publikum gut ankommt.
Wie wollen Sie das erreichen?
Urs Beeler: Zuerst muss einmal die finanzielle Basis
stimmen. Ein gutes Produkt lässt sich nur mit genügend
Inserenten finanzieren. Parallel zur intensiveren
Akquisitionstätigkeit muss der redaktionelle Teil stärker
ausgebaut werden.
Ist der Kampf auf dem Inseratemarkt heutzutage
nicht enorm hart?
Urs Beeler: Sehr sogar. Mit einer kundenfreundlichen und
-nahen Bedienung und einem hervorragenden
Inserate-Preis-/Leistungsverhältnis sollte sich jedoch die
Mythen-Post auf dem Markt behaupten können. Ich werde mir
jedenfalls alle Mühe geben!
Setzen Sie nicht auf Wachstum?
Urs Beeler: Die Mythen-Post soll klein, aber stark
sein.
Die monatliche Erscheinungsweise möchte ich beibehalten, auch
das Format sowie die Druck- und Papierqualität sollen gleich
bleiben. Falls es die Kosten zulassen, möchte ich die
Mythen-Post vermehrt 4farbig produzieren lassen.
Haben Sie auch schon daran gedacht, die
Mythen-Post adressiert zu versenden?
Urs Beeler: Interessant wäre dies, weil man dann auch
diejenigen Haushaltungen erreichen könnte, die auf ihrem
Briefkasten einen Kleber "Stopp, bitte keine Reklame in diesen
Briefkasten!" haben.
Eine rein adressierte Zustellung hätte aber auch Nachteile.
Durch die automatisch geringer gewordene Auflage würde die
durchschnittliche Haushaltabdeckung sinken, damit verbunden auch der
Beachtungsgrad. Zu vernachlässigen ist auch nicht der
zusätzliche administrative Aufwand.
Man hört oft, der Beachtungsgrad von
Gratis-Anzeigern sei geringer als der von abonnierten Zeitungen. Was
sagen Sie dazu?
Urs Beeler: Ich glaube, das hängt in erster Linie
davon ab, wie gut bzw. ansprechend eine Zeitung oder Zeitschrift
gemacht ist.
Besten Dank für dieses Gespräch!
E-Mail an: Mythen-Post