(mb) In über 100'000 Jahren hat die Natur das Gehör zu einem Hochleistungswandler im Miniaturformat entwickelt. Vier Übertragungsarten ergänzen sich dabei auf kleinstem Raum. Im Gehörgang ist es noch die Luft, die den Schall befördert. Die Druckschwankungen des Schalls versetzen das Trommelfell in Schwingungen, die dann ihrerseits von den drei winzigen Mittelohrknöchelchen weitergeleitet werden. Das eigentliche Wunderwerk ist aber das mit Flüssigkeit gefüllte Innenohr mit der erbsengrossen Gehörschnecke, einem aufgewickelten Kanal, der durch die Basilarmembran unterteilt ist. Sie reagiert auf die Flüssigkeitswellen in der Schnecke, und zwar für jede Frequenz des Schallsignals an einer ganz bestimmten Stelle. Auf der Basilarmembran nehmen etwa 3'500 mit feinen Härchen ausgestattete Sinneszellen die Bewegungen auf und wandeln sie in bioelektrische Impulse um, die über den Hörnerv zum Gehirn gelangen. Neben diesen inneren Haarzellen sitzen aber auf der Membran auch noch etwa 15'000 äussere Haarzellen. Diese wirken nicht als zusätzliche Bewegungsempfänger, sondern als Regler und optimieren das Membranverhalten auf das zu verarbeitende Schallsignal. Erst diese aktiven Vorgänge ermöglichen den grossen Lautstärkeumfang und das hervorragende Auflösungsvermögen des Gehörs im Frequenz- (Unterscheidung von Tonhöhen) und Zeitbereich (Auftrennung von gleichzeitig eintreffenden Signalen).
Wozu das Gehör dient
Als aufnehmendes Organ vermittelt uns das Gehör
Informationen, die uns das Leben sichern helfen, die räumliche
Orientierung erleichtern, unsere Sprachkompetenz begründen, die
geistige Entwicklung anregen und fördern sowie
zwischenmenschliche Kommunikation, emotionale Erlebnisse und
Rückschlüsse auf bestimmte Eigenschaften unserer
Mitmenschen ermöglichen.
Das Hörvermögen
Als "Medium" dieser Informationen fungiert der Schall, dessen
physikalische Eigenschaften und Auswirkungen auf unser Gehör von
seiner Stärke, seiner Frequenz, seiner Häufigkeit usw.
abhängen. Gemessen wird er in Dezibel (dB). 0 dB entsprechen der
Hörschwelle, eine Zunahme um ca. 10 dB wird als Verdoppelung der
Lautstärke empfunden, und mit 130 dB ist die Schmerzgrenze
erreicht. Ein normales Gespräch kommt auf ca. 65 dB. Was
darüber liegt, wird als sehr laut und störend registriert,
wobei allerdings die Reizempfindlichkeit von Mensch zu Mensch
variiert. Es ist auch so, dass sich unser Hörvermögen im
Laufe des Lebens verändert. Während z.B. ein
zehnjähriges Kind noch Töne zwischen 16'000 und 24'000
Hertz (Schwingungszahl pro Sekunde) hört, kommt ein
normalhöriger Erwachsener nur noch auf etwa 10'000 Hz. Subjektiv
braucht er das aber nicht als Schwerhörigkeit zu empfinden. Was
als Störung aufgefasst wird, muss im Einzelfall abgeklärt
werden.
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