(vo) Prof. Dr. Ing.-habil. C. Meier erwähnt in seinem Brief an den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht nur das Thema "falsches Bauen/Isolieren", sondern deutet an, was heutzutage sonst noch alles krumm läuft. Es lohnt sich, diesen interessanten Brief zu lesen.
Kanzler der Bundesrepublik Deutschland
Herrn Gerhard Schröder
Bundeskanzleramt
Schloßplatz 1
D-10 178 Berlin
Nürnberg, den 05.01.2001
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler
Im Zuge des Verbraucherschutzes anläßlich der BSE-Krise
ist es angebracht, endlich auch beim Wärmeschutz der
Gebäude und beim Erlaß der Energieeinsparverordnung an den
Verbraucherschutz zu denken. Hier geschehen ungeheure
Falschinformationen und sollte es eines Tages der Verbraucher merken,
werden alle wieder nichts davon gewußt haben. Man sei nicht
eindringlich genug informiert worden, wird man sagen - siehe BSE;
hier gab es frühzeitig genug warnende Stimmen, sie wurden nur
verdrängt.
Sie sagten, wir seien alle zu gutgläubig gewesen, zu lange sei
Informationen vertraut worden, daß Deutschland BSE-frei sei.
Man vertraute also den falschen Leuten - des Kaisers neue Kleider.
Unter der Überschrift Die Briten in die Irre geführt"
steht in den Nürnberger Nachrichten vom 27. 10. 2000: Mit
Lug und Trug hat die damalige konservative Regierung die Gefahren des
Rinderwahnsinns jahrelang vertuscht" und weiter Schonungslos
entlarvt die Studie der Kommission die Geheimnistuerei und
Bunkermentalität der Ministerien" Es seien dabei sogar
wissenschaftliche Studien bewußt frisiert worden. Man konnte
also wissen, was hier geschah.
In der FAZ vom 2. 12. 2000 steht unter der Überschrift Wie
die Erforschung von BSE behindert wurde" und Wie Politik die
Wissenschaft unterdrückte" der folgenschwere Satz:
Erkenntnis wird kriminalisiert" und Es ist die
längst abgetan geglaubte Geschichte des Wissenschaftlers: die
Wahrheit zu wissen und nicht gehört zu werden". Von dem
britischen Mikrobiologen Stephen Dealler wurde die Politik also
schwer belastet.
In diesem Sinne wird der nächste technische -
und moralische - Reinfall nicht zu vermeiden sein. Das
angepriesene energiesparende" Bauen ist wissenschaftlich nicht
haltbar und deshalb unsinnig; es treten zu viele Widersprüche
auf.
1. Eine Dämmung über 6 bis 8 cm verliert ihre
Effizienz. Dies ist Mathematik. Trotzdem wird bei einer 40 cm
Dämmung von einem effizienten Bauen gesprochen - eine
Lüge.
2. Insofern ist das Neue Bauen" unwirtschaftlich, es wird
ständig gegen das Energieeinsparungsgesetz verstoßen. Dies
ist Finanzmathematik. Allerdings wird das Gegenteil behauptet.
3. Beim Energieverbrauch wird falsch gerechnet. Der überall
verwendete k-Wert gilt nur für den Beharrungszustand, der die
Wirkung der Sonne ausschließt. Das ist Physik. Trotzdem wird
der k-Wert zum Maß aller Dinge erklärt.
4. Strahlung wird falsch gerechnet. Hier gilt nicht die
Thermodynamik, sondern die Quantenmechanik. Auch das ist Physik.
Falsche Ergebnisse sind die Folge.
5. Die technologische Entwicklung der Wärmeschutzgläser
wäre überflüssig, wenn die physiologisch hervorragende
Strahlungsheizung wieder eingesetzt werden würde. Dies ist
Werkstoffkunde. Der Einbau wird jedoch vorgeschrieben.
6. Diese Fehlentwicklungen im Bauwesen führen zu Bau- und
Feuchteschäden. Dies sind bautechnische Erfahrungen -
leider.
7. Es werden luftdichte Häuser und
Wärmedämmverbundsysteme gefordert. Schimmelpilz- und
Algenbildungen sind die Folge. Allergien und Asthma nehmen zu. Dies
sind medizinische Erkenntnisse. Trotzdem wird auf dieser Schiene
weitergefahren.
Bauen gerät immer mehr in das Fahrwasser
gewinnsüchtiger Industrien. Zur Meinungsbildung dürfen
nicht die industriegenehmen und willfährigen Wissenschaftler,
sondern es müssen gerade die Stimmen, die sich dem Kunden, den
Verbrauchern, den Häuslebauern verpflichtet fühlen,
gehört werden. Aber der Kunde hat ja keine Lobby.
Der Verbraucherschutz gilt generell. Insofern muß die
Vorstellung von Wirtschaftsminister Müller, das
Energiesparen" müsse notfalls auch mit dirigistischen
Mitteln durchgesetzt werden, entschieden zurückgewiesen werden.
Es geht nicht an, daß bei fehlenden Sachargumenten und sich
häufenden Widersprüchen der Zwang einsetzt. Ich denke, ein
solches Staatshandeln hat bei uns der Vergangenheit anzugehören.
Hubert Markl, der Präsident der Max Planck Gesellschaft, hat in
einem Vortrag auf der EXPO 2000 u.a. gesagt: Lügen und
Betrug seien integrale Bestandteile des Forschens". Dies ist nicht
aus der Luft gegriffen. Das Forschungsergebnis eines renommierten
Institutes, das die unbeschienene Nordwand energetisch günstiger
ausweist als eine beschienene Südwand, bedeutet Scharlatanerie.
Diese Forscher aber bestimmen seit Jahren das Bauen.
Die viel gerühmte Informationsgesellschaft
darf nicht zur Desinformationsgesellschaft, die Wissensgesellschaft
nicht zur Meinungsgesellschaft degenerieren. Aber Wissen allein
genügt nicht; Hubert Markl hat auch gesagt: Die
Wissensgesellschaft muß zur Gewissensgesellschaft werden". Noch
ist sie es nicht - auch nicht in der Wissenschaft.
Die vorgebrachte Begründung bei der Aufhebung des Werbeverbots
für Tabak durch den Europäischen Gerichtshof, es gehe nicht
um die Gesundheit, sondern um den Wettbewerb, ist blamabel. Im
Klartext heißt dies: Es geht um Geschäfte.
Solange jedoch diese globalisierte Marschroute Vorrang vor den
Interessen der Verbraucher hat, wird es sehr schwer werden, verloren
gegangenes Vertrauen, um das Sie ja besonders bitten und das nicht
erst seit BSE immer mehr um sich greift, wieder zurück zu
gewinnen. Mit Schwachstellenanalysen" ist diesem Problem nicht
beizukommen. Man redet zwar - gerade jetzt wieder - viel über
Ethik, aber was nutzt das Reden, wenn nicht danach gehandelt wird.
Politiker sollten nicht diejenigen fragen, die die Fehlentwicklungen
wohlfeil verschleiern - auch im eigenen Hause, sondern diejenigen,
die Kritisches dazu zu sagen haben. Täuschung verdient keine
Toleranz; Kompromißbereitschaft hört beim Betrug auf.
Ein Dialog zwischen konträren Aussagen wird jedoch konsequent
vermieden und verhindert - auch bei uns. Es erscheint zu brisant zu
sein. Die Redaktionen von Fachzeitschriften und Veranstalter von
alternativen Baufachseminaren werden unter Druck gesetzt. Hier
erinnere ich an Worte unseres Bundespräsidenten Rau, der mahnt,
Andersdenkende nicht als Nörgler anzusehen.
Als Sozialdemokrat sollten Sie Ihre Positionen eigentlich kennen.
Generell werden mathematische und physikalische Zusammenhänge
ignoriert und negiert, wissende Personen diffamiert. Hier
aufklärend zu wirken, schlage ich einen Dialog in Ihrem Hause
unter Fachleuten vor, um, wie es in Ihrem Eid so schön
heißt, Schaden vom Volk abzuwenden.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Ing.-habil. Claus Meier
Anmerkung: Wichtige Text-Stellen wurden von der Mythen-Post fett hervorgehoben.
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